Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Rhein-Sieg-Kreis. Gestrichen die Nase voll haben die Kreistagsfraktionen, was das geplante Factory-Outlet-Center in der Grafschaft angeht. Sie verabschiedeten am Donnerstag im Kreistag einstimmig einen Dringlichkeitsantrag, indem sie nicht nur den Bau des 26 000 Quadratmeter Verkaufsfläche messenden Centers ablehnen, sondern auch die Verwaltung mit rechtlichen Schritten beauftragen, um den Bau zu verhindern.
Als "unerhörten Affront gegen jeden Gedanken der regionalen Zusammenarbeit" geißelte CDU-Fraktionschef Dieter Heuel das Einkaufszentrum auf der grünen Wiese direkt an der Landesgrenze. Kein Einzelfall sei dieses "moderne Raubrittertum der Rheinland-Pfälzer".
Die bauten wahlweise Gewerbegebiete oder Einkaufszentren - "und in der Nachbarschaft wird abgeräumt", fürchtet Heuel nicht nur um die Kaufkraft in den Zentren von Rheinbach und Meckenheim, sondern auch um Bonn und die andere Rheinseite.
"Gute Nachbarschaft sieht anders aus", pflichtete ihm SPD-Fraktionschef Sebastian Hartmann bei. Wie Heuel ist er der Ansicht, dass der Ahr-Kreis gut Freund mit den nördlichen Nachbarn gewesen sei, so lange es die Fleischtöpfe des Bonn/Berlin-Ausgleichs zu verteilen gab. Jetzt dagegen gebe es keine Abstimmungen mehr, was die Planung angeht. Hartmann: "Es kann nicht sein, dass mit Bundesmitteln Strukturschäden in Nachbargemeinden finanziert werden."
Auch Ingo Steiner (Grüne) geht davon aus, dass "nachhaltig Strukturen in anderen Gemeinden zerstört werden", wenn das Outlet-Center kommt. Als Wachtberger ist er Kummer mit den Rheinland-Pfälzern gewohnt, die vor den Toren seiner Gemeinde subventionierte Gewerbeflächen anbieten. Auch für Karl-Heinz Lamberty (FDP) ist das ein großes Problem, zumal die günstigeren Steuersätze Rheinland-Pfalz für Gewerbeansiedlung attraktiv machten.
Rolf Bausch (CDU) warnte davor, das von den Befürwortern des Outlet-Centers vorgelegte Gutachten für bare Münze zu nehmen. Da sei nur von den 13 000 Quadratmetern der ersten Baustufe die Rede, die angeblich dem Handel in der Umgebung nicht schadeten. Bausch: "Wir sollten diese Beruhigungspille nicht schlucken."
Artikel vom 18.09.2009