Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Kreisstadt. Hinter verschlossenen Türen beschäftigte sich der Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler mit dem auf der Grafschaft geplanten Factory Outlet Center. Immerhin befürchtet man in der Kreisstadt einen Abfluss von Kaufkraft sowie starke Umsatzrückgänge. Im Mittelpunkt der Beratungen standen zunächst verschiedene Gutachten.
Unter anderem das des Einzelhandelsverbandes (BAG). In dieser Expertise wird vor der Ansiedelung eines Schnäppchencenters gewarnt. Experten erklärten im Rat jedoch hierzu, dass es erhebliche Zweifel an den Kernaussagen dieser Ausarbeitung gebe. Zunächst wurden noch in öffentlicher Debatte ausführliche Informationen zum Factory Outlet Center (FOC) im "Eifel-Ahr-Portal" gegeben.
Die politische Diskussion verlegte der Rat dann allerdings in den nicht-öffentlichen Teil, in dem unter anderem Gutachten vorgestellt wurden, die die Stadt selbst in Auftrag gegeben hatte. Nach mehrstündigem Sitzungsmarathon dann der Beschluss: Der Rat will ein ähnliches FOC besuchen und vor allem mit den dortigen Einzelhändlern über deren Erfahrungen sprechen.
Nach GA-Informationen sollen - unter Ausschluss der Öffentlichkeit - die Experten des von der Stadt beauftragten Büros für Stadtforschung und Planung insbesondere das Gutachten der Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels (BAG) stark in Zweifel gezogen haben. Dessen Zahlen seien weder aktuell noch wirklich belastbar, die Datenbasis sei nicht ohne weiteres auf den konkreten Fall des "Eifel-Ahr-Portals" auf der Grafschaft anwendbar, befanden die Fachleute.
Selbst Professor Lothar Müller-Hagedorn (Köln), auf dessen Forschungen sich das BAG-Gutachten gleich mehrfach stützte, habe mittlerweile in einer gutachterlichen Stellungnahme vom 13. Oktober für die Gemeinde Grafschaft ein vernichtendes Urteil über diese Expertise abgegeben, war aus Ratskreisen zu hören. Er komme zu dem Schluss, "dass das Gutachten der BAG Aussagen macht, die sich fast vollständig der Überprüfung entziehen".
Entgegen der üblichen Praxis der Standortgutachten seien wichtige Parameter unberücksichtigt geblieben. Beispielsweise Angaben über Bevölkerungsstrukturen, Kaufkraft, Kaufkraftbindungsquoten oder Konsumentenverhalten. Zudem werde nicht ersichtlich, wie aufgrund der Ausgangsdaten die Höhe des Umsatzes in dem geplanten FOC ermittelt worden sei, ebenso unklar sei die Ermittlung der Einzugsgebiete und der Abflussquoten. In einer Ausarbeitung hatten die FOC-Investoren von einer geplanten Umsatzhöhe von 48 Millionen Euro gesprochen. Diesen Wert hatte auch die BAG errechnet, jedoch die Datenbasis dafür nicht genannt.
Artikel vom 28.10.2009