Nicht immer preiswert

Kommentar

Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust. So wie in Goethes Faust geht es wohl vielen Menschen, genauer gesagt vielen, die gerne einkaufen. Denn die Outlet-Center sprießen wie Pilze aus dem Boden.

Günstig, wenn auch nicht in allen Größen, decken sich die Menschen ein. Zuvor sind sie etliche Kilometer gefahren. Doch das Einkaufsvergnügen überwiegt, es wird gewühlt, gesucht, probiert - und schließlich gekauft. "Das hat nur die Hälfte gekostet", halten sie die Jacke von 2008 und den Pulli der vergangenen Saison stolz in die Höhe.

Doch diese Medaille hat - mindestens - noch eine zweite Seite. Die Versorgung vor der Tür, der kleine Textiler und der Schuster um die Ecke, sie haben unter der flächenraubenden Konkurrenz zu leiden.

So mancher Geschäftsmann, der das Einkaufserlebnis vor der Haustür gewährleistet, wird die Segel streichen. Er reißt unter Umständen den Nahversorger mit. Selbst Ärzte und Dienstleister werden vom sinkenden Zulauf betroffen sein. Und das Einkaufsvergnügen vor Ort wird leiden, die Innenstädte werden ärmer, die Bürger werden die so sehr gewünschte und bequeme Nahversorgung vermissen.

Solche Auswirkungen sollten sich die "Günstig-Käufer" überlegen. Sonst müssen sie bald nach Köln oder Bonn fahren, wenn sie einen Knopf für die preiswert erstandene Jacke brauchen.

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