Factory Outlet Center: Zu Besuch im Paradies | GA-Bonn

Factory Outlet Center: Zu Besuch im Paradies

Wer nicht sucht, der findet: Gezielte Schnäppchenjagd in Einkaufswelt von Roermond ist schwierig
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 Foto: Axel Vogel

Roermond. Der Mann ist wirklich nicht zu beneiden. Seine Aufgabe steht in orangefarbenen Lettern auf seiner neongelben Weste. Der Mann mit der Kappe arbeitet als "Verkeersregelaar". Was das bedeutet, lässt sich auch ohne Kenntnis der niederländischen Sprache leicht übersetzen.

Gefühlt hat der Einweiser heute halb Deutschland bei sich auf dem Parkplatz am Outlet Center Roermond zu Gast. Und so bugsiert er höflich die Autos aus Aachen, Köln, Berlin, München und Bonn in strömendem Regen an ihren Platz. Samstag um 14 Uhr bleibt da trotz 2 650 Parkbuchten nur noch der Bürgersteig.

Wie es sich für ein (Shopping-) Paradies gehört, verteilt eine freundliche Dame am Haupteingang Wegweiser. Schließlich soll kein Kunde im Kaufrausch verloren gehen. Dabei tauchen zu Beginn sowieso nur zwei Fragen auf: geradeaus oder rechtsherum? Der Schnäppchenjäger an sich folgt gern der Masse. Brav geht es also geradeaus, vorbei an der sportlichen Abteilung Nike, Fjällräven oder Timberland.

Vor allem die Outdoor-Männer zieht es ins Innere. Draußen bleiben nur die Hunde, die sich, so sie es könnten, wahrscheinlich fragen würden, was sie hier sollen. Aber im Paradies ist für jede Kreatur Platz. Hinter der nächsten Ecke werden die Einkaufstüten nobler. Boss und Burberry laden zum Besuch ein. Da das beliebte Karomuster der letztgenannten Marke auch im Outlet noch recht teuer ist, greifen manche zur Sparversion: dem Taschenschirm für 60 Euro.

Zahlen und Fakten

Das Outlet Center Roermond wurde im November 2001 eröffnet. Zu ihm gehören 105 Geschäfte sowie acht Restaurants und Cafés. Die Gesamtverkaufsfläche liegt bei 28 000 Quadratmetern. Weitere 9 000 m² sind in Planung. Es gibt 1 600 Voll- und Teilzeitkräfte. Sie kommen aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland.

Internet-geprüfte Ersparnis: 50 Euro. Leichte Enttäuschung diesmal bei Strellson (das sind die mit Schweizer Flagge und Messer in der Jacke): Die Kollektion ist seit dem Frühjahr unverändert. Allerdings sind die Preisnachlässe dort gut. Günstig sind auch die Jeans bei s.Oliver. Doch müssten die 35 Euro (statt 55,95 Euro) leider zweimal investiert werden, um daraus eine normal große Hose zu schneidern.

Ein richtiges Schnäppchen wartet am Rand: die eigene Blazerjacke für jetzt 55 statt der einstmals gezahlten 99,95 Euro. Ärgerlich. Das ist die richtige Stimmung, um sich in den Nahkampf zu wagen. Der wird täglich bei Polo Ralph Lauren ausgetragen. Zugegeben: Die Produkte mit dem Reiter auf der Brust sind hier kostengünstig zu haben. Aber zivilisiert ist anders und das Shop-Personal schwer beschäftigt.

Zu beruhigender Club-Musik geht es vorbei an Läden, die man nicht erwartet: Black&Decker, Le Creuset (lohnenswert), Body Shop oder Rosenthal (keinesfalls nur B-Ware!). Es hilft alles nichts: Die Freundin aus Berlin, der man als überzeugter "Outletter" die Begleitung ans Herz gelegt hatte, ist unzufrieden: Keine Spur von der erhofften Winterjacke. "Dabei hab ich so gesucht", sagt sie verzweifelt.

Eben da liegt der Fehler: Outlets sind dazu da, um zu finden, ohne zu suchen. Da hilft nur eines: Raus aus dem Paradies. Der Weg in die reale Welt dauert nur fünf Minuten. Dann taucht die urige City von Roermond auf. Ähnlich gemütlich kommt Carla Planting Bremmers daher. Mit ihrem Mann betreibt sie ein Taschen- und Lederwarengeschäft. Ihr Sortiment gibt es auch im Outlet.

Für Planting Bremmers kein Problem: "Die Leute müssen doch vergleichen können." Thea van der Putten vom benachbarten Bekleidungsgeschäft Comma denkt ähnlich: "Wir haben hier nur aktuelle Ware. Das ist also keine Konkurrenz. Man muss einfach selbst wach bleiben." Sie lockt die Passanten erfolgreich mit Wochenend-Angeboten an. Vor der Eröffnung des Outlets hätten viele Einzelhändler Angst gehabt. Doch das, so meint van der Putten, sei unbegründet gewesen.

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