Das GA-Torfieber grassiert wieder
Alle Infos zum großen E- und F-Junioren-Turnier des General-Anzeiger
Kreis Ahrweiler. Der Kaufmann hat in der ganzen Welt dieselbe Religion, heißt es bei Heinrich Heine. Und doch scheiden sich die Geister in der Ausübung derselben. Des einen Segen ist des anderen Fluch.
Derzeit geht bei den Einzelhändlern in der Region Bonn die Angst um. Denn auf der Grafschaft im Kreis Ahrweiler, an der Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, soll das Eifel-Ahr-Portal entstehen.
Dieses Factory Outlet Center (geplanter Jahresumsatz: rund 50 Millionen Euro), in dem vor allem Bekleidungshersteller ihre Marken- und Designerwaren im Direktvertrieb an den Mann und vor allem an die Frau bringen wollen, soll eine Verkaufsfläche von knapp 10 000 Quadratmetern umfassen.
Vorgesehen sind ferner eine "Regionale Markthalle" mit heimischen Agrarprodukten sowie eine Touristen-Information. Bislang anonym ist der Hauptinvestor. In das Vorhaben involviert ist der Bad Neuenahrer Kommunalpolitiker und Unternehmer Rolf Deißler (Freie Wähler). Deißler versteht sich als Projektentwickler und verrät nur so viel: Der Geldgeber kommt aus Köln.
Die Befürchtung der Einzelhändler: Die neue Konkurrenz belebe keineswegs das Geschäft. Im Gegenteil: Kaufkraftabflüsse, Umsatzeinbrüche, gar Pleiten werden als düsteres Szenario am Kaufmanns-Horizont von Bad Neuen-ahr über Rheinbach und Meckenheim bis nach Bonn gezeichnet.
Unterstützt werden die Ängste vor dem Schnäppchen-Mekka auf der grünen Wiese durch ein Gutachten des "Handelsverbandes BAG", der Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels.
Allerdings haben die Investoren des Outlet Centers ebenfalls ein Gutachten vorgelegt. Die Wirtschaftsberatung Ecostra (Firmen-slogan: "Märkte verstehen, Risiken bewerten, Chancen erkennen") erklärt in einer knapp 200 Seiten umfassenden Expertise, dass keine Unverträglichkeiten festgestellt werden könnten.
Vielmehr sei eine gegenseitige Befruchtung zwischen Einzelhandel und Rhein-Ahr-Portal denkbar. Zwar komme es zu Umsatz-Umverteilungen, doch die lägen deutlich unter für den Einzelhandel relevanten Schwellenwerten. Negative Auswirkungen auf die Innenstädte seien nicht zu erwarten.
Sofern überhaupt spürbare Auswirkungen ermittelt werden könnten, so die Ecostra-Gutachter, würden Kaufkraftzuwächse durch eine positive Bevölkerungsentwicklung einen Umsatzabzug durch das Factory Outlet Center relativieren. Und bei geeigneter Vermarktung werde es Synergien beispielsweise mit den Tourismus-Angeboten der Region geben.
Das Gespenst, das in den Köpfen der Gewerbetreibenden in den umliegenden Städten umherspuke und das die Angst vor katastrophalen Auswirkungen auf den etablierten heimischen Fachhandel auslöse, werde sich als harmlos entpuppen. Längst hätten viele Kommunen erkannt, dass der lokale Einzelhandel von den zusätzlichen Kunden profitiere.
Das allerdings sieht der Handelsverband BAG völlig anders: Ecostra gehe von zu vielen positiven Grundannahmen aus. Alle Prognosen stünden unter der Prämisse, dass es auch in Zukunft Wachstum gebe. Dies jedoch sei nicht mehr der Fall. Von "fehlerhaften Einschätzungen" spricht der Verband der Einzelhändler.
Die gleiche Kaufkraft (die Ecostra zudem zu hoch einschätze) werde ständig neu verteilt, so dass ein ruinöser Flächenwettbewerb zwischen den Gemeinden entstehe. "Neue Einzelhandelsvorhaben erwirtschaften Umsätze nahezu ausschließlich durch Umverteilungen", so der Verband. Käme es zu einer Umsatzverteilung von nur zehn Prozent, dann bedeute dies für manchen Einzelhändler zwangsläufig das Aus, denn die Gewinn-Margen im Handel seien extrem gering.
Allerdings räumt der Fachverband ein: "Die Pleite eines Einzelhändlers ist in einer Gesellschaft mit marktwirtschaftlicher Grundordnung ein normaler Teil des täglichen Ausleseprozesses."
Nun muss geprüft werden, ob das FOC überhaupt auf der Grafschaft gebaut werden darf.
Schließlich gibt es landesplanerische Vorgaben aus Mainz, die dort eigentlich kein solches Projekt gestatten. Mit Hilfe eines sogenannten "Zielabweichungsverfahrens" könnte dieses Hindernis aber beseitigt werden.
Artikel vom 31.10.2009