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Grafschaft. Norbert Köp, Vorsitzender des "Teams Grafschaft", einer inzwischen auf 135 Mitglieder angewachsenen Vereinigung von Grafschafter Gewerbetreibenden, blickt zufrieden drein: "Die Fahrt hat sich gelohnt, wir haben wichtige Eindrücke und Erkenntnisse gewonnen."
Gemeinsam mit Bürgermeister Achim Juchem und 35 weiteren Grafschaftern ist Köp nach Maasmechelen und nach Roermond gereist, um die dortigen Factory Outlet Center (FOC) zu besuchen. Bekanntlich soll ein derartiges Schnäppchen-Paradies im Grafschafter Innovationspark entstehen. Nun macht sich das Team Grafschaft ein Bild von den Strukturen der Shop-Ensembles auf der grünen Wiese.
Erste Station ist Maasmechelen. 113 Läden stehen den Besuchern dort an 363 Tagen offen. Von "Apriori" bis "Van Lier" reicht das Angebot der Designer- und Nobelmodehersteller im Maasmechelener Fashion Village. Der Andrang hält sich bei kühlen Außentemperaturen allerdings in Grenzen.
Am Vormittag ist im FOC Maasmechelen zunächst nur wenig los. Das allerdings ändert sich im Lauf des Tages. Der Ort liegt in der belgischen Provinz Limburg am linken Ufer der Maas, die dort die Grenze zwischen Belgien und den Niederlanden bildet. Die Stadt hat rund 36 000 Einwohner.
Eine direkte Anbindung des FOC zur Innenstadt gibt es nicht. Das ist in Roermond anders. Nur drei Minuten Fußweg trennen das Shopping-Center mit seinen 2 500 Parkplätzen von der City der holländischen Stadt. Wie in Maasmechelen bietet sich in Roermond zunächst ein ähnliches Bild. Ob "Gucci", "Joop", "Boss" oder "Dolce & Gabbana" - alle wichtigen Markennamen sind in den 170 Geschäften vertreten. Rund drei Millionen Menschen besuchen das Factory Outlet Center im Jahr, eine Dimension, die auch für das FOC auf der Grafschaft angedacht ist.
Entgegen ursprünglichen Befürchtungen besuchen rund 40 Prozent der Besucher auch die Roermonder Innenstadt, die seitdem einen erheblichen Aufschwung erlebt. Davon konnten sich auch die Grafschafter überzeugen. Mit einem breit gefächerten, kleinteiligen Einzelhandel lockt die Innenstadt Käufer an.
Selbst in der Mittagszeit herrscht reges Leben in der Fußgängerzone der 56 000 Einwohner zählenden Stadt. "Leerstände gibt es so gut wie keine", bemerkt Norbert Köp. Selbst Geschäfte, deren Warenangebot auch im benachbarten FOC anzutreffen ist, werden - so der Eindruck der Grafschafter - stark frequentiert. Boutiquen oder Schuhgeschäfte haben in der gemütlichen Roermonder Innenstadt offenkundig keinen schweren Stand.
Durch die Anziehungskraft des Outlet Centers ist Roermond längst dabei, dem wesentlich größeren Venlo unter den deutschen Besuchern den Rang abzulaufen. Nach einer ausgiebigen Shopping-Tour machen sich die Grafschafter wieder auf den Heimweg. Der Tenor ist eindeutig: Gerne sähen es die anwesenden Mitglieder des "Teams Grafschaft" (Vereinsmotto: "Das Gute ist so nah!"), wenn auch im Innovationspark ein solches Einkaufszentrum entstehen würde.
Auftrieb kann die kleine Gemeinde gut gebrauchen. Immerhin verfügt die Kommune über eine Kaufkraftbindungsquote von nur 25 Prozent. Das heißt, dass 75 Prozent des Geldes nicht auf der Grafschaft bleibt, sondern in andere, benachbarte Städte fließt. Insbesondere das Einkaufszentrum in Wachtberg-Berkum macht zu schaffen, erklärt Bürgermeister Juchem. Umso wichtiger sei nun ein Magnet auf Grafschafter Boden.
Artikel vom 18.12.2009