Das Outlet Center im Nacken

Erfahrungen aus Zweibrücken: Wie drei Nachbarstädte mit einem riesigen Einkaufszentrum leben - und leben müssen
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 Foto: Manfred Schick

Bonn. Ein Factory Outlet Center (FOC) vor der Tür, der Einzelhandel unter Druck, verhärtete Fronten in den Verhandlungen: Die Situation rund um das geplante FOC auf der Grafschaft ( der GA berichtete) kennen die Vertreter der Städte Homburg, Neunkirchen und Pirmasens nur zu gut. Sie haben dasselbe erlebt - allerdings vor acht Jahren.

In der südpfälzischen Stadt Zweibrücken, keine 20 Kilometer von den drei Städten entfernt, liegt Deutschlands größtes Factory Outlet Center. 1,8 Millionen Besucher hat das Einkaufszentrum allein 2008 angezogen, elf Millionen Kunden seit der Eröffnung 2001.

Doch dass das Factory Outlet Center den Einzelhandel in allen umliegenden Städten zerstört, davon kann nicht die Rede sein. Vielmehr zeigt sich: Jede Stadt hat ihre individuelle Situation - und leidet dementsprechend stark oder schwach unter dem FOC.

Das Zweibrückener FOC Das Designer Outlet Zweibrücken ist mit 18 200 Quadratmeter Verkaufsfläche nach eigenen Angaben das größte Factory Outlet Center Deutschlands. Das FOC hat mittlerweile seine dritte Erweiterung abgeschlossen, zur Eröffnung 2001 war es noch 11 000 Quadratmeter groß. Ursprünglich sollte es 38 000 Quadratmeter umfassen, doch nach Klagen der Nachbarstädte ist es auf 21 000 Quadratmeter beschränkt worden. 2008 hat das Outlet Center einen Umsatz von 83,5 Millionen Euro gemacht und hatte 1,8 Millionen Besucher.

"Es ist längst nicht so schlimm gekommen, wie wir befürchtet haben. Wir leben gut nebeneinander her", sagt etwa die Homburger Stadtmanagerin Petra Ney. Knapp 20 Minuten braucht man per Auto von der 43 000-Einwohner-Stadt Homburg bis nach Zweibrücken. 20 Minuten, die vielen Homburgern zu umständlich seien, sagt Ney. "Das Outlet Center hat Ausflugscharakter. Viele fahren dort einmal pro Jahr hin, aber für den täglichen Gebrauch kaufen sie weiter in unserer Innenstadt ein."

Gemeinsam mit Neunkirchen und Pirmasens habe Homburg damals geklagt - und in letzter Instanz vor dem Bundesverwaltungsgericht gewonnen. Der Bebauungsplan sei nicht rechtens gewesen. Die Bürgermeister hätten sich daraufhin geeinigt, berichtet Ney. Das Ergebnis: Das FOC ist deutlich kleiner ausgefallen als geplant, und die Nachbarstädte haben Einfluss auf das Sortiment.

"Wir achten darauf, dass es nicht zu große Überschneidungen mit unseren Angeboten gibt." Aber auch die Werbestrategie des FOC ziele letztlich nicht auf Kunden im regionalen Umfeld. "Das Outlet Center wirbt deutschlandweit darum, dass Kunden für ein oder zwei Tage zum Einkaufen kommen. Diese Besucher würden ohnehin nicht nach Homburg kommen."

Ganz anders sieht die Situation in Pirmasens aus. Die rund 40 000 Einwohner leben nur eine Autobahnausfahrt vom FOC entfernt. Empirische Untersuchungen wie stark der Einzelhandel leidet, gibt es zwar nicht. Aber Heiner Wölfling, stellvertretender Vorsitzender im Einzelhandelsverband Pirmasens, schätzt die Umsatzeinbußen auf 25 bis 30 Prozent. "Wir sind keine Universitätsstadt wie Homburg, sondern ein durch Industrie geprägter Standort. Bei uns verdienen die Menschen weniger, sie achten mehr aufs Geld und damit auf günstige Angebote", sagt er.

Die gesamte Textilbranche, besonders die Sportartikel-Verkäufer, litten unter der Situation: "Sie müssen die großen Marken anbieten, weil viele danach fragen. Aber genau diese Marken gibt es günstiger im FOC", sagt Wölfling, der selbst ein Hausratsgeschäft führt.

Seit der letzten Erweiterung seien auch etablierte Unternehmen stark unter Druck geraten, pflichtet Rolf Schlicher, Stadtmarketing-Koordinator in Pirmasens, bei. "Auf der anderen Seite gibt es auch Firmen, die sich spezialisiert haben und sich so am Markt gehalten haben." Als Stadtmarketing-Koordinator hat Schlicher neben dem Handel auch den Tourismus im Blick - und der könne vom FOC profitieren. "Allerdings nutzen wir touristische Vorteile nicht. Wir haben keine regionale Dachmarke, um den Kunden des Outlet Centers unsere Region schmackhaft zu machen."

In Neunkirchen leidet der Einzelhandel wiederum ähnlich gering wie in Homburg. "Die negativen Auswirkungen halten sich in Grenzen", sagt der dortige Pressesprecher Markus Müller. Seit 20 Jahren gibt es in Neunkirchen ein Einkaufszentrum, das mit rund 33 000 Quadratmetern noch größer als das FOC ist - und bisher keine Umsatzeinbußen hat, wie Leiterin Heike Marzen auf GA-Nachfrage sagt.

Dies liegt für Pressesprecher Müller vor allem daran, dass die Stadt Neunkirchen sich erstritten habe, Einfluss auf das Sortiment des FOC zu haben. "Wir haben immer ein Auge darauf, ob es unserer Stadt schadet."

Die Homburger Stadtmanagerin Ney warnt derweil vor zu einfachen Vergleichen zwischen Zweibrücken und der Grafschaft. "Das Kaufverhalten im eher ländlich geprägten Saarland ist vielleicht anders als im Rheinland, in dem es viele Metropolen gibt und die Menschen mobiler sind."

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