Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Die heile Welt von "Forsthaus Falkenau" lässt grüßen: In der beliebten ZDF-Fernsehserie zieht der Förster mit Lodenmantel, Schrotflinte und Jagdhund durch den Herbstwald. Der Alltag im Forsthaus Schönwaldhaus sieht heute morgen ganz anders aus: Nasskalte Witterung, Dunkelheit und ein Förster, der mich in Arbeitshose und Strickpullover begrüßt. "Wollen Sie einen Kaffee?" Darauf hatte ich gehofft, kalte Finger an warmer Tasse - ein herrlicher Gedanke.
Revierleiter Wolfgang Bongardt ist morgens nicht ein Mann der großen Worte. Kurz und präzise erläutert er seinen sieben Waldarbeitern, was zu tun ist: Reitwege ausbessern, windschiefe Bäume fällen, wackeligen Hochsitz kontrollieren. Ich räuspere mich kurz. "Ach ja, Sie wollen heute mal Förster sein." Bongardt grübelt und sagt: "Sie kommen mit mir. Wir werden in einem Waldstück Bäume aussuchen, die der Harvester dann ernten kann."
Arbeitsschuhe, wetterfeste Jacke in Signalfarben, Handschuhe und Spraydosen liegen für mich bereit. Ein kurzer Blick zum Himmel. "Heute bleibt es trocken", sagt Bongardt. Zu uns ins Allrad-Auto steigt Hampus Roffey ein. Der Schwede ist seit Juni als Forstreferendar im Landesbetrieb Wald und Holz tätig, wohnt mit seiner Freundin in Bonn und spricht Deutsch mit skandinavischen Knubbeln.
Der Mann aus dem hohen Norden hält eine eigenartige Bügelsäge in Händen - denke ich und irre. Das kreisförmige Metallteil ist eine sogenannte Kluppe. Mit dem Arbeitsgerät misst man den Umfang eines Baumes elektronisch und errechnet mit dem angegebenen Wert die Menge des verwertbaren Holzes. Die Kluppe speichert die Werte und wird abends an den Computer zwecks Datenübertragung angeschlossen.
Und was hat das mit urwüchsiger Natur zu tun? Nicht viel, aber die Holzwirtschaft ist ein wichtiger Bestandteil im Arbeitsalltag eines Revierförsters. Seit rund 20 Jahren betreut Bongardt sein Revier, 1 650 Hektar Staatswald. "Welchen Baum würden sie stehen lassen", fragt mich Bongardt. Ich bin unsicher, suche eine kräftige Rotbuche aus. "Nein, der eignet sich nicht als Zukunftsbaum. Wir nehmen diese Eiche."
Ich binde eine weiße Schnur um den Auserwählten und markiere zwei benachbarte Bäume mit roter Signalfarbe als Zeichen zum Fällen. Ich lerne schnell die Auswahlkriterien: Gerader Stamm, wenige Äste auf den unteren acht Metern, gut ausgebildete Krone - so müssen Bäume aussehen, die das Forstamt Rhein-Sieg-Erft als Wertholz für die Möbelindustrie verkauft.
Ich fühle mich sicher, zeichne einen Baum nach dem anderen aus und registriere das wohlwollende Nicken des Fachmanns. Nach zwei Stunden Baummarkieren und zahlreichen Dornen in meiner Hose muss ich noch eine Rückegasse ausmessen und markieren. Hier wird sich später der tonnenschwere Harvester bewegen und mit seinem Greifarm die Bäume fällen, entasten und in Stücke schneiden.
Nach der Mittagspause kontrollieren wir eine Aufforstungsfläche. Bongardt hat dort junge Eiche anpflanzen lassen. Die 1,50 Meter hohen Bäume tun sich schwer: Verbissschäden durch Rehe und Damwild und schnellwachsende Wildkräuter machen den Eichen zu schaffen. Wuchshüllen aus Kunststoff sollen die Pflanzen jetzt schützen. Ich entferne Clematis, Adlerfarn und Brombeere, sie bedrängen die jungen Eichen und nehmen ihnen Luft und Wasser.
Plötzlich kommen wir an einem Holzkreuz vorbei, Bongardt bleibt stehen und erinnert an einen Waldarbeiter, der vor mehr als 60 Jahren von einer Granate getötet wurde: "Kein Einzelfall. Drei Männer sind nach dem Zweiten Weltkrieg durch Blindgänger gestorben.
Der Kottenforst war ein granatenverseuchtes Gelände." Noch heute steht ein Splittersuchgerät im Forsthaus Schönwaldhaus. Der Rest des Tages besteht aus nüchterner Büroarbeit: Treibjagd vorbereiten, Post beantworten, Brennholz zuteilen.
Artikel vom 23.11.2010