Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Pützchen/Bechlinghoven. Nachmittags um halb drei im Tonstudio der Gesamtschule Beuel: Roman Höffgen schaltet im Regieraum die ersten Geräte und Monitore ein. Eine dicke Glasscheibe trennt den 19-Jährigen vom Aufnahmeraum, wo sich die Schülerband Klangfabrik schon versammelt hat: Die Musiker, drei Jungs aus Romans Jahrgangsstufe 13, nutzen die freien Minuten noch schnell zum Mittagessen.
In Rekordgeschwindigkeit schlucken Sänger Simon Lopez Hidalgo, Gitarrist Leo Lerch und Cellist Paul Rittel die letzten Bissen ihrer Cheeseburger und Pommes Frites herunter. "Wir können schon mal" gibt Roman durch. Die Aufnahme kann beginnen.
Die Gymnasiasten haben ein gemeinsames Ziel: Mit einem selbstgeschriebenen Stück mit dem Titel "Stille" will die Band jetzt am Songwriter-Wettbewerb X-Press yourself der Deutschen Post World Net teilnehmen. Als Produzent hat Roman natürlich vor, das Beste aus ihrem Sound, einer eigenständigen Mischung aus Jazz, Pop, Blues und deutschen Texten, herauszuholen.
In seiner Schule ist Roman, ein groß gewachsener Blondschopf, dessen Pony tief ins Gesicht fällt, als kreativer Kopf bekannt, der alles liebt, was mit Film und Musik zu tun hat. Zusammen mit seinem ehemaligen Klassenlehrer Bernd Martinius und gesponsert von der Telekom, hat er im Vorjahr das neue Tonstudio der Gesamtschule geplant und eingerichtet.
Jetzt verbringt Roman vier Stunden wöchentlich in dem kleinen Raum mit den roten Backsteinwänden und der guten Akustik - als Produzent. Mit der linken Hand gibt er das Zeichen zum Start. Simon klemmt sich hinter das Mikro und singt die ersten Takte des Stücks: "Worte sollen weichen, doch ich weiß nicht wie".
Während Gitarre und Cello einstimmen, sind Romans Augen im Regieraum schon fest auf zwei Monitore gerichtet. Auf dem linken ist eine Galaxie zu sehen, vor der Lautstärkepegel hoch- und runterzuckeln. Über den rechten Bildschirm ziehen sich - wie Fieberkurven - die Tonspuren aller drei Musiker: "Sie sind ein Abbild des Songablaufs", sagt Roman, der jetzt darauf achtet, dass kein Instrument übersteuert. Nach zwei Durchgängen spielt der Produzent den Musikern das Ergebnis vor.
Hochkonzentriert hören die Bandmitglieder ihren Song an und sparen nicht an Selbstkritik: "Die Passage klingt voll gequetscht" sagt einer. "Das Mikro brummelt", merkt ein anderer an. "Gitarre und Cello dürfen sich nicht ins Gehege kommen", folgert Roman - und überlegt, fortan jedes Instrument einzeln aufzunehmen.
Der Zeitplan sieht vor, das Stück noch vor Karneval bei dem Wettbewerb einzureichen. "Wir wollen das unbedingt jetzt machen", sagt Roman. Denn dass die Jungs ihre gemeinsame Freizeit auch in Zukunft in dem kleinen Tonstudio verbringen, ist unwahrscheinlich.
Nach dem Abitur, das in wenigen Monaten ansteht, werden sie sich in alle Himmelsrichtungen zerstreuen: Simon geht zur Bundeswehr, Leo zum Zivildienst nach Argentinien. Paul will Musik studieren und Roman - Berufswunsch Kameramann - an eine Filmhochschule.
Artikel vom 11.02.2009