Sterbegeldversicherer: Vorsicht vor dubiosen Angeboten

Sterbegeldversicherer werben kräftig. Lohnend sind die Policen aber selten. Die Stiftung Warentest rät Verbrauchern, auf sie zu verzichten.

Alte Menschen wollen ihren Kindern oft keine Kosten bereiten, nicht in der Pflege und nicht im Sterbefall. Einige Versicherer werben deshalb mit zweifelhaften Angeboten. Foto: dpa

Im Sterbefall bloß nicht den Kindern auf der Tasche liegen. So denken viele Senioren und öffnen Versicherern damit ein lu-kratives Geschäftsfeld. Sie werben deshalb auch kräftig mit so genannten Sterbeversicherungen. Doch die Policen erfüllen nur selten ihren Zweck und kosten zudem viel Geld. Von der Sterbeversicherung profitiert am Ende nur das Versicherungsunternehmen, warnt die Stiftung Warentest.

Derzeit liegen wieder Postwurfsendungen verschiedener Versicherer in den Briefkästen. Auch Margarete S. fand kürzlich eine Broschüre vor und wurde aufmerksam. "Ich wollte alles nach meinem Tod selbst finanziell geregelt haben", sagt die Bad Godesbergerin und schloss eine Sterbegeldversicherung ab.

Der Hintergrund: 2004 haben die Krankenkassen das Sterbegeld abgeschafft. Seitdem muss jeder selbst für seine Beerdigung sorgen. Diverse Versicherungsunternehmen haben die Lücke erkannt und die so genannte Sterbegeldversicherung ins Leben gerufen. Dabei wird eine vorher festgelegte Summe angespart und verzinst, so dass sie im Todesfall den Angehörigen ausgezahlt werden kann.

Margarete S. hörte jetzt im Bekanntenkreis, dass die Sterbegeldversicherung nicht für jeden geeignet sei und vereinbarte einen Termin mit einem Versicherungsexperten. Dabei stellte sich heraus, dass sie mit ihren 68 Jahren schon zu alt ist, damit sich in ihrem Fall das Modell überhaupt lohnen würde. Denn diese Versicherungen eignen sich keineswegs für jeden.

Die Stiftung Warentest hat die Sterbegeldversicherungen untersucht. Die Tester überprüften die Angebote von 30 Lebensversichern und 14 Sterbekassen. Gerechnet wurden im Test die Angebote für 45-jährige und 64-jährige Männer und Frauen.

Dabei wurde eine Versicherungssumme von 5.000 Euro bei einer Vertragslaufzeit von 20 Jahren angenommen. Das Ergebnis: Lediglich unter der Gruppe der 45-Jährigen konnten drei Tarife den Anforderungen gerecht werden. Denn im Test zeigte sich, dass für Kunden ab 65 Jahren dieser Abschluss finanziell unattraktiv, ja viel zu teuer ist.

Wenn also bei einem der Versicherer etwa ein 65-jähriger Mann während der Vertragslaufzeit von 20 Jahren einen Gesamtbeitrag von 9367 Euro einzahlt, die Versicherung beim Todesfall aber nur 5.000 Euro auszahlt, ist das eine widersinnige Rechnung.

Stiftung Warentest rät den Verbrauchern: "Lassen Sie die Finger von Sterbegeldversicherungen. Viele Kunden zahlen im Laufe der Jahre viel mehr ein, als der Versicherer letztlich auszahlt".

Die bessere Alternative sei, Geld rechtzeitig zu sparen oder es anzulegen. Wer sich mit einer Versicherung sicherer fühle, solle zum Beispiel eine Risikolebensversicherung abschließen. Diese komme den Versicherungsnehmer günstiger und sei zudem flexibler. Auch der Abschluss einer Unfallversicherung komme in Betracht. Oder die Möglichkeit, sich von der Bank einen passenden Sparplan vorschlagen zu lassen.

Margarete S. jedenfalls hat sich entschieden, von ihrer Sterbegeldversicherung innerhalb von 14 Tagen zurückzutreten. Sie muss dafür nur ein formloses Schreiben mit einem Widerruf an die Versicherung schicken.

 

Weitere Infos auf www.test de

Artikel bookmarken bei... Facebook retweet Del.icio.us in Google Bookmarks speichern bei Mister Wong speichern bei Webnews speichern Yigg
Abo-Bestellung

Anzeigen

Anzeige

Anzeigen