Alptraum Altersarmut

Amt für Soziales: In Bonn sind 3.614 bedürftige Senioren registriert. Die Tendenz ist steigend.

Armut im Alter: Um Strom zu sparen, liest dieser Rentner bei Kerzenschein. Foto: dpa

Die alte Dame schämt sich, als sie Hilfe in einem der Stützpunkte "Offene Tür für Senioren" (SpOTS) in Bonn sucht. Sie druckst herum. Es fällt ihr schwer, ihr Anliegen vorzutragen. Behutsam hilft ihr die Sozialarbeiterin und lenkt das Gespräch geschickt auf das eigentliche Problem. Die alte Frau kann ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen, lebt in einer viel zu großen Wohnung und weiß nicht, was sie tun soll.

Die SpOTS-Beraterin verschafft sich einen Überblick über die Verhältnisse und organisiert für die Seniorin die gesetzliche Grundsicherung im Alter. "Ja, auch in Bonn steigen die Zahlen der Empfänger dieser Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung", sagt eine Mitarbeiterin des Amts für Soziales dem General-Anzeiger.

Waren es im Jahr 2009 noch 3.319 Empfänger dieser Gelder im Stadtgebiet, stieg deren Zahl 2010 schon auf 3.452. Ende dieses Jahres sind 3.614 Altersarme registriert. Davon sind 2.566 Hilfsbedürftige älter als 65 Jahre. Tendenz steigend.

Grund für den Anstieg seien der demografische Wandel. Es gibt immer mehr ältere Bürger in Bonn und der Region, aber auch strukturelle Probleme. Zunehmend viele Beschäftigte arbeiten nicht mehr ihr Leben lang in einem Betrieb, wie das vor Jahren noch üblich war, sondern werden zwischenzeitlich arbeitslos und sind im schlimmsten Fall von Hartz IV abhängig.

Daraus entwickelt sich nicht selten eine Spirale aus Sozialhilfe, geringer Rente und Grundsicherung, an deren Ende oft die Altersarmut steht. Viele Beschäftigte geraten auch durch schwere Krankheiten oder Unfälle in die Armutsfalle.

Für die Sozialämter ergibt sich eine traurige Formel: Je mehr Hartz-IV-Empfänger es schon unter den jüngeren Jahrgängen gibt, desto mehr Bezieher von Grundsicherung kommen in den nächsten Jahrzehnten auf die Bundesstadt zu. Das Bonner Amt sieht in dieser Hinsicht nur einen Hoffnungsschimmer: "Das kann für einen noch nicht feststehenden Personenkreis auch anders kommen, zum Beispiel mit der diskutierten Zuschussrente."

Was den heute Bedürftigen erst einmal nicht weiter hilft. Für sie sind die insgesamt 23 SpOTS im Stadtgebiet sowie deren Zentrale, das Haus der Bonner Altenhilfe in der Flemingstraße 2, mit vielfältigen Angeboten erste Anlaufstellen. Dort wird eine umfassende, qualifizierte Sozialberatung geleistet. Zudem beraten die Experten dementiell erkrankte Menschen und deren Angehörige. Sie geben Orientierung und Hilfestellung bei der Suche nach einer Wohnung oder einem Platz in einem Seniorenheim. Sie sind zudem auf Angebote für Migranten spezialisiert.

Informationen gibt es unter der Rufnummer 0228/776699.

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