Neue Orgel in Alt St. Martin: Satter Klang aus 318 Pfeifen

MUFFENDORF.  Das neue Instrument in der Kirche wurde fast ausschließlich mit Spenden finanziert.

Schmuckstück: Kirchenmusiker Michael Langenbach-Glintenkamp stellt die neue Orgel von Alt St.- Martin vor. Foto: Ronald Friese

Selbst Pfarrer Helmut Powalla war baff, wie viele Menschen am Sonntagnachmitta zur Orgelweihe ins Kirchlein Alt St. Martin passten. Sicher, sie sei "die Königin der Instrumente, schön anzuschauen und zu hören", lobte Powalla den Neuzugang , der Anfang Dezember eingebaut worden war. Doch die Menschen seien sicher auch aus "Riesenfreude" gekommen, und zwar über die wunderbare gemeinschaftliche Spendenaktion, der die Gemeinde St. Martin und Severin nun "die Königliche" mit ihren fünf Registern verdanke, so Powalla.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, als Alt St. Martin im Schatten der damals nagelneuen nachbarlichen Pfarrkirche in einen Dornröschenschlaf fiel, habe es im kleinen Gotteshaus kein großes Instrument mehr gegeben, erzählte am Rande Thomas Großmann, der Initiator der Spendeninitiative, der bei der Weihe großen Applaus erhielt.

Aus alten Dokumenten wisse man, dass das letzte Pfeifeninstrument, das dort stand, in eben das große St. Martin abgezogen wurde. Dort habe es aber schon bald einem größeren Instrument weichen müssen, denn die fünf Register des Instruments hatten für das neue riesige Kirchenschiff nicht gereicht. "So haben wir uns in Alt St. Martin immer mit einem alten Harmonium und später mit einem E-Piano der ersten Generation mehr schlecht als recht beholfen", sagte Großmann.

Ach, zum Schluss sei das Treten des Blasebalgs bei diesem Harmonium lauter gewesen als seine Klänge, hatte Kirchenmusiker Michael Langenbach-Glintenkamp die Lacher auf seiner Seite, als er das neue gute Stück vorstellte. Und der "elektronische Schrotthaufen" danach habe auch nicht recht Freude bereitet. Da habe er eben mit Mitstreitern versucht, den vormaligen Kirchenvorstand zur Anschaffung einer Pfeifenorgel zu bewegen, sagte Großmann. "Aber ohne Erfolg. Deshalb hat unsere kleine Gruppe die Sache eben selbst in die Hand genommen."

Der aktuelle Kirchenvorstand habe mit der Zusage reagiert, zu den nötigen 26.000 Euro einen Sockelbetrag von 2.500 Euro zu geben, sollte die Spendeninitiative Erfolg haben. "Aber ehrlich gesagt: Ich war skeptisch", gab Pfarrer Powalla im Rückblick zu. Doch in knapp 18 Monaten hatte die Gruppe insgesamt 22 500 Euro von rund 90 Privatpersonen zusammen. "Darunter waren kleine zweistellige bis mehrfach vierstellige Beträge. Mit Recht und ein bisschen Stolz dürfen wir also sagen, dass es sich um eine echte Bürgerinitiative handelte", so Großmann.

Ertragreich seien auch zwei Benefizkonzerte von Annette Willer-Krebel und Jan von Hassel gewesen. "Diese neue Orgel wertet Alt St. Martin wunderbar auf und eröffnet auch kulturell ganz neue Möglichkeiten", freuten sich als Spender Christiane und Joachim Gantzsch mit all den anderen, denen Langenbach-Glintenkamp nun das gebrauchte, aber ausgezeichnet gepflegte Instrument der Firma Simon aus Bogenstreich vorstellte. "Keine Bange, ich erkläre jetzt nicht alles bis zum letzten Schräubchen", witzelte der Kirchenmusiker.

Das gute Stück mit seinem massiven Eichengehäuse, fünf Registern auf einem Manual sowie angehängtem Pedal und 318 Pfeifen erklang dann schließlich auch zur Weihefeier: mit so vollem satten Klang, dass es für die Zuhörer eine reine Freude war.

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