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Nachmittags im Wolfgang-Paul-Hörsaal der Universität Bonn: Es ist ähnlich laut wie vor einer regulären Vorlesung. Die anwesenden Personen sind jedoch keine Studenten, sondern acht- bis 14-jährige Mädchen und Jungen, die gebannt darauf warten, dass die erste Vorlesung der Kinder-Uni im Wintersemester 2012 beginnt. Eine große digitale Uhr zeigt 17:14:50 Uhr, als plötzlich einige Kinder laut anfangen zu schreien: Zehn, Neun, Acht... , der Countdown zur Vorlesung hat begonnen, die letzten zehn Sekunden werden traditionell heruntergezählt.
Dr. Andrea Grugel, Organisatorin der Kinder-Uni an der Universität Bonn, begrüßt die knapp 500 Kinder und erklärt noch einmal kurz die Spielregeln - beispielsweise, dass nach einer Vorlesung nicht geklatscht, sondern auf die Tische geklopft wird. Doch die meisten Kinder kennen die Regeln bereits, haben sie doch schon etliche Vorlesungen der Kinder-Uni besucht.
Seit mittlerweile 18 Semestern bietet die Universität Bonn mit großem Erfolg die Vorlesungen für Kinder an. Sie werden von wechselnden Dozenten aus verschiedenen Fachbereichen auf kindgerechte Art angeboten. Sechs Termine gibt es im Sommersemester, sechs im Wintersemester. Wer mindestens zehn der zwölf Vorlesungen besucht, erhält ein Kinder-Uni-Diplom.
Sebastian (13) hat bereits sieben oder acht Diplome gesammelt. Seine Mutter begleitet ihn stets zu den Vorlesungen und seit kurzem ist auch Sebastians Schwester Anna (9) dabei. "Es macht immer Spaß zuzuhören, weil es spannende Themen sind", erklären die beiden Geschwister. Die bisher spannendste Vorlesung, da sind sich die beiden einig, war jene, als der Dozent mit Tomatensauce veranschaulichte, was bei Vulkanausbrüchen passiert. "Es geschehen immer lustige Sachen", erzählt Anna.
Dr. Michael Krautblatter vom Geographischen Institut Bonn, der den Vorlesungsreigen des Wintersemesters mit dem Thema "Gefährliche Berge, und wie wir auf sie aufpassen können" eröffnet, projiziert viele Bilder an die Wand: Zu sehen ist beispielsweise ein "aktives Tal", in dem ein großes Netz Gesteinsbrocken auffängt, die von einer Felswand herunterfallen. "Viele Materialien sind lockerer als sie aussehen, deshalb können Berge sehr gefährlich werden", erklärt der Geologe. Am Ende der Vorlesung bleiben immer ein paar Minuten für Fragen, und von diesen haben die wissbegierigen Kinder viele. "Die Fragen der Kinder sind oft besser als bei Studenten", stellt Krautblatter hinterher fest.
"Wissenschaftliche Themen kindgerecht darzustellen, ist eine Herausforderung", sagt Andrea Grugel. Besonders wichtig sei, dass die Vorlesungen stets anschaulich und abwechslungsreich gehalten werden. Die Freunde Lennart (7), Johanna (8) und Till (8) können dies bestätigen: "Besonders gut ist, dass die Themen meistens mit kleinen Filmen und spannenden Bildern veranschaulicht werden." Krautblatter hat sich vor seinem Vortrag Gedanken gemacht, was die Kinder verstehen können. "Es muss richtig, aber nicht banal sein."
Artikel vom 11.01.2012