Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Bonn. Die junge Frau im Publikum ist begeistert. Eben hat im Theater im Anno Albin Zinnecker ihren 20-Euro-Schein in einen fetten Fünfziger verwandelt. Allein durch emsiges Falten, durch noch viel mehr Reden und dann plötzlich eine wundersame Farbveränderung. Aus den hinteren Reihen rufen Zuschauer begeistert: "Jetzt aber auch bei uns."
"Hat Ihr Schein eigentlich die Endnummer 347?", fragt der viel beklatschte Künstler noch einmal nach. Verblüfft schüttelt die Frau den Kopf. "Na, dann ist er auch leider nicht Ihrer", kommt von der Bühne, und schwups, ist die Dame den Schein schon wieder los. Zauberei hautnah bietet hier am Samstag einen lustigen Abend lang die Close-Up-Show der zweiten Bonner Zauberwochen.
Veranstalter ist wieder Simsalabonn, der Ortszirkel Bonn im Magischen Zirkel von Deutschland, also im bundesweiten Dachverband der Berufs- und Hobbyzauberer. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens in Bonn hat der Vorsitzende Ulf Bürger im bewusst kleinen Rahmen ohne große Bühnen- und Lichteffekte eine pfiffige magische Show auf die Beine gestellt.
Patrick Lehnen, "der Tribun", lässt jede Menge Dinge verschwinden und wieder auftauchen. Andre Desery fordert das Publikum spritzig rheinisch auch interaktiv heraus. "Jonelli" und Frank Vogel überzeugen fingerfertig und kartenmagisch. Gerade verblüfft der erst so schüchtern wirkende Tobias Rudolph: Große und kleine Münzen, Spielkarten, Colaflaschen und Feuerzeuge scheinen sich selbstständig durch seine flinken Finger zu bewegen, dann in die Hemdsärmel, hinters Ohr und plötzlich auch auf den Tisch.
Der Kugelschreiber spuckt wie ein Goldesel Zwei-Euro-Münzen. "Meine Methode beruht auf der sogenannten Denaturalisierung. Jetzt werden die Physiker unter Ihnen aber aufhorchen", sagt "Magic Toby" und ruft in dem mit Jung und Alt besetzten Publikum Lachsalven hervor.
Zaubern mache so was wie süchtig, lacht hinter der Bühne Ingo Brehm, der mit seinem Geldscheine verwandelnden Kollegen Zinnecker am heutigen Abend die Moderation macht. Die beiden sind auch als Duo "Die Zaubertrixxer" bekannt. Brehm ist im Alltag Polizeibeamter. Da gebe es weniger zu zaubern, scherzt er. Vor zehn Jahren biss er bei einem magischen Künstler an, studierte die Zaubererliteratur, erarbeitete sich erste eigene Tricks.
Heute lassen sich die "Zaubertrixxer" von einem Choreographen aus New York beraten. "Aber jeder Auftritt ist dann wieder ein Abenteuer", sagt Kollege Björn Heupel, als Brehm mit einer Uri-Geller-Szene die Bühne betritt. "Uri hat ja die tollsten Löffel verbogen." Wenn`s nicht klappe, müsse man halt einen guten Spruch haben, um aus der Situation wieder rauszukommen, meint Heupel leise. Ingo Brehm setzt an, einen großen Löffel zu verschlucken. Als er ihn wieder aus dem Hals zieht, entpuppt er sich - potz Blitz - als Gabel.
Nein, diesen Trick werde er dem GA nicht erklären, kommt dann hinter der Bühne. Da ist längst Stefan Fröhlingsdorf angetreten. Mit einem ellenlangen Redeschwall hat er das Publikum in komplizierte Gedächtnisaufgaben hineingezogen. Zwei Herren aus der ersten Reihen sollen Pokerkarten mischen. Fröhlingsdorf verspricht, zu raten, was wer wo auf der Hand hat. Ungeschickt sortieren die beiden Zuschauer herum. Und lassen dann auf Ansage des Zauberers eine Karte nach der anderen fallen. Kommentar aus den Rängen: "Das ist doch unglaublich."
Artikel vom 28.03.2011