Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Ihre Stimme hat im wahrsten Sinne des Wortes Gewicht. Und weil sie Karneval lebt, leidet sie unter dem zunehmenden Desinteresse der Frauen an der Beueler Weiberfastnacht. Über Probleme und Zukunftschancen des Brauchtums sprach sie mit Holger Willcke.
Was bedeutet Obermöhn?
Ina Harder: Die Obermöhn war früher die Chefin von allen in Damenkomitees organisierten Frauen. Heute ist sie mehr als Managerin der Weiberfastnacht gefragt und wird dabei tatkräftig von ihrer Stellvertreterin und den Mitarbeitern der Bezirksverwaltungsstelle Beuel sowie den Mitgliedern des Arbeitskreises Beueler Weiberfastnacht unterstützt.
Seit drei Jahren vertreten Sie Obermöhn Evi Zwiebler. Wie lange dauert dieser Zustand noch an?
Harder: Evi Ziebler hat sich aus persönlichen Gründen eine Auszeit gegönnt. Bei der Jahreshauptversammlung des Alten Beueler Damenkomitees wird sie nicht mehr für den Vorsitz kandidieren. Und da die Vorsitzende unseres Komitees automatisch Obermöhn ist, kann sie dieses Amt nicht mehr ausfüllen. Das bedauern wir alle sehr.
Stellen Sie sich zur Wahl?
Harder: Ja. Als Evi Zwieblers Stellvertreterin wird das von mir erwartet. Außerdem liegt mir das Amt und das Brauchtum am Herzen.
Das Alte Beueler Damenkomitee und das Damenkomitee der TSV Bonn-rechtsrheinisch haben vor drei Monaten die traditionelle Damensitzung von Weiberfastnacht auf einen anderen Termin verlegt und vor drei Wochen dann komplett abgesagt. Warum?
Harder: Wir mussten aus wirtschaftlichen Gründen die Reißleine ziehen. Der Kartenvorverkauf war sehr schlecht. Wir hätten das Brückenforum nicht annähernd füllen können. Wir hatten gehofft, durch den Verschiebetermin neues Interesse zu wecken. Leider weit gefehlt.
Womit erklären Sie sich das Desinteresse der Frauen?
Harder: Seit einigen Jahren geht der Trend dahin, dass vor allem jüngere Frauen an Weiberfastnacht nicht mehr alleine feiern wollen. Sie wollen tanzen, abrocken, schwofen und vielleicht auch ein wenig flirten. Das geht bekanntlich mit Männern besser.
Was ist jetzt zu tun?
Harder: Die beiden Damenkomitees werden sich nach der Session zusammensetzen und beratschlagen. Im Jahr 2024 feiert die Beueler Weiberfastnacht 200-jähriges Bestehen. Wenn wir wollen, dass unser Brauchtum dann noch gefeiert wird, müssen wir uns dem Wandel stellen. Nicht alle Traditionen dürfen den Bach runtergehen.
Haben Sie eine konkrete Vorstellung?
Harder: Es ist zu überlegen, ob wir nicht wieder zurück in den kleinen Pfarrsaal gehen und dort mit den Frauen wie früher Karneval mit eigenen Kräften feiern. Büttenreden mit Lokalkolorit kommen nur vor kleinem Publikum an. Die Frauen, die Kölner Akteure sehen wollen, können dann unsere Mädchensitzung besuchen.
Wann soll die Umstellung erfolgen?
Harder: Für die Karnevalssession 2013 wird das sehr schwierig werden, weil sie so kurz ist. Aber wir wollen es auf jeden Fall versuchen.
Zur Person: Ina Harder wurde im Jahr 1969 in Beuel geboren. Ihre Eltern sind Albert und Trude Hallitzky, beide sehr engagiert im Beueler Karneval. Bruder Hans ist der Kommandant der Beueler Stadtsoldaten. Ina Harder, die als Industriekauffrau beim Grünen Punkt/Duales System in Köln arbeitet, regierte 1989 als Wäscherprinzessin die Beueler Weiber und 2006 als Bonna gemeinsam mit Prinz Rico I. (Fenoglio) die bönnschen Narren. Seit 1998 ist sie Vize-Obermöhn in Beuel. Sie moderiert viele Brauchtumsveranstaltungen, auch außerhalb des Karnevals.
Artikel vom 16.02.2012