Das GA-Torfieber grassiert wieder
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So zeigte der SPD-Politiker auch in der prunkvollen Stella Rheni den gut präparierten Internatsschülern des Aloisiuskollegs (Ako) einen Diskussionsabend lang sozusagen mit links die Stirn. Klar, Fragen nach seinem Tagesablauf als gestresster Pendler zwischen seinem Wahlkreis Bonn und dem Gremienmarathon in der Bundeshauptstadt waren vom clever aufgestellten Frager-Quartett nur zum Aufwärmen gedacht.
"Ich habe in der Woche einen Tag für die Familie. In Bonn arbeite ich zwölf bis 14 Stunden. In Berlin geht's von 7.30 Uhr bis Mitternacht", berichtete der Sozialdemokrat. Doch Lukas Schlosser, Yvonne Daniels, Johannes Kürsch und Felix Farias Fueyo konnten natürlich auch einen Zahn zulegen.
Wie halte er es denn mit dem Fraktionszwang ? Widerspreche der nicht dem Grundgesetz, das Gewissensfreiheit garantiere, wurde der Diplom-Informatiker gefragt. "Das funktioniert doch längst nicht mehr. Die Parteigenossen mit Direktmandat überzeugt man heute nur noch inhaltlich", hielt der 44-Jährige sofort dagegen. Um dann doch so eloquent den für die Stabilität des Landes unschätzbaren Wert der Fraktionsdisziplin herauszustreichen, dass den jungen Leuten die Nachfrage nach den Nuancen im Halse stecken blieb.
Auch in puncto Parteispenden hatte der "gläserne Abgeordnete" argumentativ sofort die Oberhand. Wie er denn die Bonner Solarworld-Spende verbuche, war gefragt worden. Er leiste als Mitglied mehrerer Bundestagsausschüsse und Energieexperte keine übertriebene Lobbyarbeit, konterte Kelber. Er sitze in keinem Aufsichtsrat. "Und kein Cent geht in die eigene Tasche." Seit 25 Jahren setze er sich für erneuerbare Energien ein. "Da gab's noch gar kein Solarworld."
Vollends in Fahrt kam Kelber auf die Frage nach der SPD-Kanzlerkandidatur. Entscheidend für die Personalie werde sein, ob der Kandidat das erforderliche Vertrauen bei den Wählern wecke, und dann natürlich das im Wahljahr 2013 beherrschende Thema. "Hält die Finanzkrise an, spricht vieles für Peer Steinbrück", sagte Kelber.
Werde sich alles um verantwortungsvolle Außenpolitik drehen, komme Franz Walter Steinmeier ins Spiel. Siegmar Gabriel sei der Experte für soziale Gerechtigkeit. Und er selbst? Ein Politiker solle nichts für sich ausschließen, holte Kelber erst mal Luft. Aber die Position als Bundeskanzler sei derart gnadenlos, dass er keine Lust verspüre, mit seiner Familie in einen Bunker einzuziehen. "So dicke Glasscheiben - nein, danke schön."
Artikel vom 13.02.2012