Zeugin wird in Mordprozess maskiert per Video vernommen | GA-Bonn

Zeugin wird in Mordprozess maskiert per Video vernommen

Schwester des Opfers wird als gefährdet eingestuft und geschützt

Bonn. Wie gefährdet ist die Frau, die nach Jahren des Schweigens ihren Vater und ihre Cousins des Mordes an ihrer jüngeren Schwester Waffa beschuldigt und seitdem vor der Familie untergetaucht ist?

Die 35-Jährige ist die Hauptzeugin im Prozess gegen ihren 65-jährigen Vater und einen der beiden Cousins vor dem Bonner Schwurgericht und hat es bisher aus Angst nicht gewagt, in den Zeugenstand zu treten. Dass ihre Angst berechtigt ist, haben ihr nun die Sicherheitsexperten von Landeskriminalamt und Bonner Polizei bescheinigt, sie als gefährdet eingestuft und ihr Personen- und Objektschutz gewährt.

Und auch ein Islamwissenschaftler teilte dem Gericht nun in einem Schreiben mit, dass in der islamistisch geprägten und frauenfeindlichen Männerwelt, aus der die syrische Familie stammt, das Leben einer Tochter nichts zählt, wenn es die Freiheit des Vaters gefährdet.

So beschloss das Gericht am Donnerstag: Die 35-Jährige soll am 7. Januar per Videoübertragung maskiert und von einem unbekannten Ort aus ihre Aussage im Prozess machen, da durch einen persönlichen Auftritt im Gerichtssaal ihr Leben gefährdet würde. Die 35-Jährige hat bei Polizei und Haftrichter ausgesagt, ihre Schwester sei "Opfer eines Ehrenmordes" geworden.

Ihr Vater habe mit Hilfe der beiden Cousins in der Nacht des 16. August 1993 die damals 17-jährige Waffa im Schlaf erdrosselt, ihr anschließend die tot auf dem Sofa sitzende Schwester gezeigt und auch ihr mit dem Tode gedroht.

Dem Beschluss des Gerichts, dem Wunsch der Zeugin nach einer solchen Vernehmung zu entsprechen, war ein heftiger Schlagabtausch zwischen der Verteidigung und dem Anwalt der Zeugin vorausgegangen: Die Verteidiger lehnten eine Video-Vernehmung ab, da die Zeugin sich bereits in einem Fernsehauftritt gezeigt habe, in dem sie den mangelnden Zeugenschutz angeprangert habe.

Doch ein Maskenbildner versicherte nun dem Gericht, die 35-Jährige sei vor der Kamera so verfremdet, dass sie nicht zu erkennen war. In dieser Maske soll sie nun auch ihre Aussage machen.

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