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Veranstalter des neuen Festivals "Reine Kultur"
"Wir sind total glücklich"
Von Laura Potting
BONN. Ablenkung hilft ja bekanntlich, unangenehme Ereignisse zu verarbeiten. Ganz vergessen war die Rheinkultur an diesem Wochenende jedoch nicht. Das neue Festival "Reine Kultur" startete auch keinen Versuch, die abgeschaffte Großveranstaltung zu ersetzen, wollte aber eine Alternative bieten.
"Wir möchten zeigen, dass Bonn eine lebendige Kneipenszene hat", erklärte Johannes Kaiser, der die Aktion mit Oliver Detzel und Felix Fuhrmann organisierte. 16 verschiedene Lokalitäten lockten mit 18 Events, von Live-Konzerten bis zu Kunstaktionen. Die Besucher zahlten einmalig zehn Euro, der Erlös geht an soziale Projekte in Bonn.
"Wir sind alle traurig, dass es die Rheinkultur nicht mehr gibt", so der Geschäftsführer vom Café Göttlich, Jens Wernemann. "Das Gute ist, man braucht jetzt nicht mehr runter zur Rheinaue zu fahren." In seiner Innenstadt-Kneipe startete das neue Festival mit einer Vernissage mit ehemaligen Werbeplakaten und Entwürfen von Partys.
Eine Jazzband sorgte bei schönem Wetter draußen vor der Tür für Stimmung: "Es ist total lebendig in der Stadt", freute sich die Bonnerin Noushin Jafroudifar. Die 48-Jährige hatte zwar kein Ticket, war aber einfach auf der Straße stehen geblieben, um sich die Jazzmusik anzuhören.
So wie sie machten es viele Besucher. Wer keine Zeit hatte oder erst mal keine Lust auf stickige Räume, der feierte einfach nur kurz in der Sonne mit oder startete erst abends auf die Kneipentour: Im Butcher?s an der Kaiserstraße gab es unter anderem Live-Rock zu hören. Elektrofans konnten sich auf sieben Partys verteilen. "Ich finde es gut, dass es verschiedene Locations gibt", sagte Student Nico Mehlhaus. Vor allem gefalle ihm, dass es nicht nur musikalische Angebote seien.
Der 21-Jährige hatte sich zunächst für den Poetry Slam im La Victoria an der Bornheimer Straße entschieden. Hier traten Nachwuchs-Autoren gegeneinander an, das Publikum kürte den Sieger. "Reine Kultur" habe sehr viel Potenzial, so die Mitinhaberin des La Victoria, Isabel Kühmstedt. "Es ist ein Anfang, und es wird sich weiterentwickeln", so die 26-Jährige.
Viele der rund 1500 Besucher waren da sicherlich ihrer Meinung. Es war zwar nicht die Rheinkultur, aber das sollte es ja auch gar nicht sein. Und irgendwie war auch alles viel entspannter: Kein überlaufenes Gelände, keine überfüllten Bahnen, und wer mal eben nach Hause wollte, brauchte nicht zu fürchten, seinen Platz vor der Bühne zu verlieren.
"Die Veranstaltung ist toll angenommen worden, wir sind total glücklich. Aber es hätten ein paar mehr Leute sein können", zog Johannes Kaiser Bilanz. Eine Wiederholung 2013 ist trotzdem möglich: "Solange es realisierbar ist, wollen wir es wieder machen."
Artikel vom 09.07.2012
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