WCCB-Prozess: Zeuge lässt kein gutes Haar an der Stadt

BONN.  Während die Stadt Bonn mit großen Schritten versucht, dem World Conference Center Bonn (WCCB) eine Zukunft zu geben, arbeitet die Bonner Wirtschaftsstrafkammer die Vergangenheit und damit ein Desaster auf, dessen Millionenschaden auch zwei Jahre nach dem Baustopp noch nicht beziffert werden kann.

Weiter als Zeuge vernommen wurde der in den Anfängen favorisierte WCCB-Investor Heinz Dieter Kals, der im April 2005 mit seiner IKBB AG einen Vorvertrag von der Stadt bekommen hatte. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie kam es, dass Kals samt IKBB AG sich erst mit dem Mitangeklagten Man-Ki Kim (SMI Hyundai Corporation) liierte und schließlich leer ausging?

Es war, folgt man Kals, ein schleichender Prozess mit einem abrupten Ende. Im April/Mai 2005 habe sich abgezeichnet, dass die Stadt ihren Berater Michael Thielbeer nicht mehr bezahlen wollte oder konnte. Laut Kals hätten die WCCB-Beauftragten Evi Zwiebler und Arno Hübner zu ihm gesagt: "Wir haben keinen Etat mehr." Kals nun als Zeuge: "Es schien so, dass die Stadt nach anderen Wegen suchte, um Thielbeer zu bezahlen." Man habe auf "subtile Weise" durchblicken lassen, dass die IKBB AG die Thielbeer-Rechnung zahlen solle. Er, Kals, habe sich bei seinem Anwalt erkundigt, ob er das dürfe, was der eindeutig verneint habe.

Hintergrund: Thielbeer war im Auftrag der Stadt tätig und sollte die Kommune neutral bei der Investorenauswahl beraten. Kals sagt nun: "Thielbeer war der Einzige, der beide Seiten gut kannte - und auch die Druckpunkte." Schließlich zahlte, so die Anklageschrift, der Mitangeklagte Ha-Sung Chung im Auftrag von Kim die umstrittenen 32 115,76 Euro, nun sind beide wegen "gemeinschaftlicher Bestechung" angeklagt. Und gegen Zwiebler und Hübner, von denen der Impuls laut Anklage ausging, wird deshalb wegen Bestechlichkeit ermittelt.

 

Das abrupte Ende für Kals und seine IKBB AG kam am 20. Juni 2005: Da sollte in Bonn eine große Gesprächsrunde zum WCCB stattfinden mit Kim, dem städtischen Projektteam und dem freiberuflichen Berater und wegen Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr Mitangeklagten Thielbeer. Kals nun als Zeuge. "Doch als ich losfahren wollte, erhielt ich einen Anruf: »Sie brauchen nicht mehr zu kommen.« Man hatte wohl beschlossen, mich aus dem Projekt zu entfernen. Da haben sie das Kaninchen aus dem Hut gelassen."

Dabei hätte er wenig später ein tragfähiges Konzept präsentieren können. Am selben Tag sei er von Zwiebler erneut aufgefordert worden, Thielbeer zu bezahlen. "Anleitung zu einer Straftat", sagt Kals, der kein gutes Haar lässt an der Stadt, die allein für seinen Rausschmiss verantwortlich sei. "Wäre Kims SMI Hyundai das gewesen, was man zu sehen glaubte, hätte man mir dankbar sein müssen." Aber die Stadt habe nur den "Esel gesehen, der die Dukaten kackt. Der Mohr aber hatte seine Schuldigkeit getan und konnte gehen".

Dagegen sei das, was Kim gemacht habe, eine "lässliche Sünde". Der habe nur die Chance genutzt, die ihm auf dem Silbertablett serviert worden sei. Und dass Thielbeer auf der Suche nach jemandem war, der seine Rechnung bezahlt, könne er auch verstehen: "Der ist Freiberufler und muss sehen, wo er bleibt."

Zwiebler und Hübner aber kommen bei Kals schlecht weg: Frau Zwiebler habe ständig Druck gemacht, weil sie nichts verstanden habe. "Die Stadt hat permanent Anforderungen gestellt, die niemand hätte erfüllen können." Das größte Problem bei der Erarbeitung eines Konzepts für das Kongresszentrum sei gewesen, dass die Stadt ihm völlig falsche Zahlen vorgelegt habe. Und: "Es gab noch nicht einmal eine Beschreibung, wie das Ding innen aussehen sollte." Hübner sei nicht ehrlich gewesen: "Er ist ein böser Mann." Kals kündigte an, er wolle nun bei der Stadt Schadensersatz geltend machen.

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