Vier weitere Kinder sind betroffen

BONN.  Unbekannte forderten Jungen und Mädchen auf, in ihr Auto einzusteigen. Im Fall des Elfjährigen ermittelt die Polizei.

Der Parkplatz an der Otto-Hahn-Straße in Buschdorf. Die Polizei geht inzwischen Hinweisen aus weiteren Ortsteilen nach, wo Kinder aus dem Auto angesprochen wurden. Foto: Frommann

Der Fall des elfjährigen Jungen, den ein Unbekannter am Freitagabend an der Lederjacke festgehalten hatte, ist kein Einzelfall. Wie die Polizei mitteilte, wurden den Beamten in den vergangenen vier Wochen vier weitere Vorfälle gemeldet, und zwar im Gebiet rund um Dransdorf, Tannenbusch und Buschdorf.

Zwei Unterschiede allerdings gibt es: Die Jungen und Mädchen wurden aus Autos heraus angesprochen und aufgefordert einzusteigen. Sie wurden nicht festgehalten. Außerdem war bei ihnen die Rede von einem weißen VW-Bus. Der Elfjährige hat laut Polizei von einem grauen oder silbernen VW Golf gesprochen. "Wir nehmen diese Fälle sehr ernst", sagte Polizeisprecher Frank Piontek. Zurzeit laufen die Ermittlungen.

Wie gestern berichtet, hatte ein Unbekannter einen D-Jugendspieler des SV Buschdorf 02 auf dem Weg zum Training um 18.07 Uhr von hinten an der Lederjacke festgehalten. Wortlos, wie der Junge der Polizei sagte. Der Elfjährige konnte sich befreien, indem er aus der Jacke schlüpfte. Zwischen der Otto-Hahn-Straße und dem Sportplatz sei es geschehen, sagte Waldemar Kossak, Vorsitzender des SV Buschdorf.

"Das ist wirklich heftig. Aber dem Jungen geht es gut", berichtet er. Sofort setzte der Verein einen Elternbrief auf und informierte andere Vereine und Trainer. "Sie wurden angewiesen, die Kinder nicht alleine nach Hause gehen zu lassen." Auch im Internet verbreitete sich die Meldung in Windeseile. Der Junge wurde gestern im Präsidium befragt. Eine Personenbeschreibung gibt es laut Polizei nicht. Hinweise nimmt sie unter [sym_tel] 0228/15 0 entgegen.

Bloß keine Panik, rät Wilma Wirtz-Weinrich. Die Psychotherapeutin arbeitet bei der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt. Sie empfiehlt: "Kinder sollten sich gegenseitig helfen und möglichst zu zweit oder in Gruppen unterwegs sein." Das stärke das Selbstbewusstsein mehr, als wenn Eltern sie ständig hin- und herkutschierten. "Auch wenn es verständlich ist, dass sie sich nach solchen Vorfällen besonders um ihr Kind ängstigen." Eine weitere Regel sei, dass die Kinder stets sagen, wohin sie gehen und mit wem sie zusammen sind. "Ganz wichtig ist auch die Vereinbarung fester Zeiten."

Das rät die Polizei

  • Selbstbewusstsein ist bei Kindern der wirksamste Schutz vor sexuellem Missbrauch.
  • Eltern sollten mit Kindern das Telefonieren und "Hilfe holen" üben (der Notruf 110 ist in Telefonzellen und auf dem Handy kostenlos). Kinder sollten ihr Handy eingeschaltet lassen.
  • Eltern sollten mit ihrem Kind den Schulweg abgehen und ihm in der näheren Umgebung zeigen, wo es im Notfall klingeln kann (Geschäft, Wohnhäuser).
  • Sollte es zu einer Straftat gekommen sein, sofort eine Anzeige erstatten! Nur bei Straftaten, die der Polizei bekannt sind, kann ermittelt werden.

Hier gibt es Hilfe

Die Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt in Bonn, Wilhelmstraße 27, informiert unter anderem Kinder und Eltern über Verhaltensweisen in Gefahrensituationen und koordiniert Präventionsprojekte an Schulen: (0228) 63 55 24 (Mo. 11 bis 12 Uhr; Di. - Fr. 10 bis 12 Uhr; Mi. 18 bis 20 Uhr).

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