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Viele Mieter sorgen sich um ihr Zuhause
Von Judith Voss
Landtagsabgeordneter Gerhard Lorth spricht mit besorgten Bürgern über den Verkauf der Wohnungen der Landesentwicklungsgesellschaft in Kessenich und Medinghoven - Sozialcharta soll Mieter schützen
Medinghoven/Kessenich. Der von der nordrhein-westfälischen Landesregierung beschlossene Verkauf ihrer Anteile an der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) hat auch bei Bonner Mietern für Unsicherheit gesorgt. Teilweise wird gegen den Verkauf der insgesamt 96 000 Wohnungen - davon 2 500 in Bonn - heftig protestiert, da die Mieter nicht abschätzen können, was auf sie zukommen wird ( der GA berichtete).
In zwei Bürgerversammlungen informierte der Landtagsabgeordnete und Hardtberger Bezirksvorsteher Gerhard Lorth (CDU) in Medinghoven (fast 800 Wohnungen) und Kessenich (576 Wohnungen) über den geplanten Verkauf. "Die LEG ist mit 2,5 Milliarden Euro verschuldet und für uns nicht mehr tragbar", begründete er die politische Entscheidung.
Er wies auch darauf hin, dass es für ihn nicht zu den primären Aufgaben des Landes gehöre, eine Wohnungsbaugesellschaft zu betreiben. Viel sinnvoller sei es doch, dieser Misswirtschaft ein Ende zu machen und die Wohnungsverwaltung "in die Hände eines Profis" zu geben. Vor diesem Schritt bräuchten gerade die Mieter keine Angst zu haben, denn schließlich ändere sich für sie vorerst nichts.
"Wir haben den Verkauf an eine in Deutschland einzigartige Sozialcharta gebunden, die die Mieter schützt", so Lorth. Diese Charta schreibt beispielsweise eine Sanierung der Häuser vor, untersagt aber Luxussanierungen, die den Mietpreis zu sehr in die Höhe treiben könnten. Außerdem sollen Mieter ab einem Alter von 60 Jahren ein lebenslanges Wohnrecht eingeräumt bekommen.
Laut Lorth darf der Käufer pro Jahr darüber hinaus nur 2,5 Prozent der Wohnungen weiterverkaufen. "Eine solche Sozialcharta wird natürlich den Bewerberkreis um die Wohnungen stark einschränken. So genannte Heuschrecken, die mit einem Wiederverkauf das schnelle Geld machen wollen, werden sich auf solche Bedingungen gar nicht einlassen", so Lorth. Die Volksinitiative gegen den Verkauf nannte er dramatisierend und populistisch.
Trotz der sachlichen Information blieben die Mieter allerdings skeptisch. Viele äußerten ihre Angst vor höheren Mietpreisen nach der Sanierung und gerade diejenigen, die in einem denkmalgeschützten Haus (Reutersiedlung) wohnen, fürchteten, dass genau ihre Wohnungen als erste weiterverkauft würden.
Eine Mieterin aus Medinghoven hakte außerdem nach: "Die Sozialcharta ist doch nur auf zehn Jahre festgeschrieben. Was bringt denn ein lebenslanges Wohnrecht für Senioren, wenn sich nach zehn Jahren ohnehin wieder alles ändert?" Viele Fragen blieben offen und werden es wohl auch noch bis Ende 2007 bleiben. Dann ungefähr rechnet Gerhard Lorth damit, dass ein Käufer gefunden und der Zuschlag erteilt sein wird.
Artikel vom 15.11.2006
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