WCCB-Prozess: Thielbeer sagt aus | GA-Bonn

WCCB-Prozess

Thielbeer sagt aus

Bonn.  Jetzt kommt Bewegung in die gerichtliche Aufklärungsarbeit im Bauskandal rund um das World Conference Center Bonn (WCCB): Der ehemalige städtische Berater, Michael Thielbeer, der seit September zusammen mit "Investor" Man-Ki Kim und dessen zwei damaligen Rechtsberatern wortlos auf der Anklagebank sitzt, will sein Schweigen brechen und nach GA-Informationen umfassend aussagen.
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Seit September sitzen sie gemeinsam auf der Anklagebank: Man-Ki Kim und ... Foto: dpa

Wie der Sprecher des Landgerichts, Philipp Prietze, auf Anfrage erklärte, habe Thielbeer der Wirtschaftsstrafkammer seine Aussagebereitschaft mitgeteilt.

Gänzlich unerwartet kommt diese Wende nach 48 Verhandlungstagen im ersten Prozess um den Zusammenbruch des WCCB allerdings nicht: Am Dienstag hatte Strafkammervorsitzender Jens Rausch den Angeklagten und ihren Verteidigern eine "vorläufige" rechtliche Einordnung präsentiert, wonach das Gericht die Anklage gegen Kim und Chung in weiten Teilen für nachgewiesen hält.

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Außerdem hatte die Kammer auch eine Reihe von Belegen für Thielbeers Bestechlichkeit benannt. Und dem einstigen städtischen Berater, der schließlich von Kim und Co. bezahlt wurde, ein attraktives Angebot gemacht: Wenn er dem Gericht "mehr Informationen" liefere, sei in seinem Fall eine Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldauflage von 150.000 bis 200.000 Euro denkbar. Ein Angebot, das es dem Rechtsanwalt ermöglichen würde, weiterhin als unbestrafter Mann durchs Leben zu gehen. Und auf das der Familienvater Thielbeer nun allem Anschein nach eingehen will. Sein Verteidiger Joachim Albert wehrte dazu gestern allerdings jede Anfrage ab.

Damit ist Michael Thielbeer der erste, der die Mauer des Schweigens durchbrechen will und Aufschluss darüber geben könnte, was damals geschah - auch und vor allem auf Seiten der Stadt. Deren damalige WCCB-Projektbeauftragten Arno Hübner und Eva Maria Zwiebler sind in dem Fall vor derselben Strafkammer angeklagt, wohingegen das Verfahren gegen Ex-Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann von der Staatsanwaltschaft eingestellt wurde.

Thielbeers Mitangeklagten Kim und dessen damaliger Berater Ha-Sung Chung geraten nun allerdings in Zugzwang. Auch ihnen hatte die Wirtschaftsstrafkammer signalisiert, dass ein Geständnis sich auch zu diesem vergleichsweise späten Zeitpunkt im Prozessverlauf noch strafmildernd auswirken könne. Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, die Stadt Bonn über die wahren Verhältnisse von Kims Firma SMI Hyundai getäuscht und sich damit ohne die nötigen finanziellen Mittel den Auftrag für das WCCB erschlichen zu haben. Das war bisher von beiden bestritten worden.

Ob durch Thielbeers Aussagebereitschaft auch ihre eigene wächst, bleibt abzuwarten. Kims Verteidiger Walther Graf jedenfalls erklärte gestern gegenüber dem GA: Auch ihm und seinem Mandanten Man-Ki Kim sei sehr daran gelegen, das Verfahren abzukürzen. Denn Kim sitze schließlich als einziger noch in U-Haft, und das bereits seit 16 Monaten, weit weg von Frau und Kindern. Der Koreaner lebte zuletzt mit einer Green Card in den USA, wo er eine Firma mit Aufträgen für die US-Armee führte.

Graf kündigte an: "Wir werden das jetzt zum Anlass nehmen, um in einen konstruktiven Dialog mit Staatsanwaltschaft und Gericht einzutreten in Bezug auf das weitere Verfahren." Ob das ein Geständnis seines Mandanten bedeute, sagte er nicht. Thielbeer soll am 22. Mai im Prozess zu Wort kommen. Die für diesen Tag angesetzte Vernehmung von Young-Ho Hong, Ex-Bauchef des WCCB, gegen den noch wegen Betruges ermittelt wird, wurde abgesagt.

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