Prächtige Roben und Tänze beim Mittelalter- und Renaissanceball

Zum zweiten Mal fand er im Clubheim des Tanzsportclubs TSC "Blau-Gold-Rondo" in Beuel statt, die Veranstalter Oliver Nahm und Lars Wallenborn versuchen, sich damit ein wenig von anderen Mittelalterbällen abzuheben.

Reise in die Renaissance: Adel und 'gemeines Volk' tanzen gemeinsam in mittelalterlichen Roben. Foto: Ewen

Beuel. Es kommt nicht häufig vor, dass sich der Adel und das "gemeine Volk" zum Tanz zusammenfinden, um in festlicher Gewandung den Abend zu verbringen. Im Mittelalter war dies ohnehin kaum möglich, waren doch die gehobenen Schichten vom Pöbel strikt getrennt.

An frühere Zeiten knüpfen die "Stadt-Land-Fest"-Organisatoren also nicht an, zu einer Tradition soll der Mittelalter- und Renaissanceball fortan aber werden. Zum zweiten Mal fand er nun schon im Clubheim des Tanzsportclubs TSC "Blau-Gold-Rondo" in Beuel statt, die Veranstalter Oliver Nahm und Lars Wallenborn versuchen, sich damit ein wenig von anderen Mittelalterbällen abzuheben.

"Adel und Volk kommen hier zusammen und feiern gemeinsam", erklärte Wallenborn. Während bei anderen Veranstaltungen dieser Art oft eine strikte Kleiderordnung gilt und die Teilnehmer sich wegen der teuren Gewänder in Unkosten stürzen müssen, sind hier auch einfache bäuerliche Kostüme erlaubt. "So ein Prunkkleid kostet locker 300 Euro und es ist klar, dass sich das nicht jeder leisten kann", fügte Nahm hinzu.

Rund 60 Tanzbegeisterte kamen zu dem Fest, es gab mittelalterliche Live- Musik und sogar das Essen war an ältere Zeiten orientiert. Der Hauptteil des Abends bestand aus den Mittelalter- und Renaissancetänzen, die stets in Gruppen stattfinden. Das Schwierige an derlei Vergnügen ist wohl weniger der häufige Partnerwechsel, als das ständige Durcheinandertanzen. Die Tänzer bewegten sich allerdings recht sicher auf dem Parkett, hatten sie doch unmittelbar vor dem Ball noch die Möglichkeit gehabt, einen Tanzkurs zu besuchen.

"Mich interessiert Archäologie und Historie schon seit Jahrzehnten", so Teilnehmer Wolfgang Wendt. Der 72-Jährige hatte sein Kostüm extra anfertigen lassen, knapp 400 Euro kostete die aufwendige Robe samt Hut. Johanna Bernhardt (29) dagegen hatte ihr Kleid selbst entworfen: "Das ist eine ganz andere Form von Weiblichkeit, als wenn ich nach Hause gehe und mir die Jeans anziehe." Die mittelalterliche Musik repräsentiere für sie eine ganz andere Zeitwahrnehmung, sie sei endlich mal raus aus Terminen und Stress.

Für Birte Carstensen war es der erste Ball dieser Art, mit 21 Jahren war sie einer der Jüngsten. Extra aus Hamburg war sie angereist. "Diese Tänze machen einfach Spaß, es ist total abwechslungsreich." Bis tief in den Abend feierten die mittelalterlichen Herrschaften, das Deutschlandfest auf der anderen Rheinseite kümmerte sie hierbei wenig. Sie waren ja auch schließlich in einer anderen Zeitrechnung, zu der es das heutige Deutschland so noch gar nicht gab.

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