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Karneval in Bonn
Kritik am Festausschuss - Vereine werfen ihm Alleinherrschaft vor
Von Holger Willcke
BONN. Palastrevolution im Festausschuss Bonner Karneval: Fünf namhafte Fastelovends-Funktionäre haben sich an die Spitze einer Unmutsbewegung gesetzt, sich zum Sprachrohr der bönnschen Karnevalsvereine gemacht und Festausschusspräsidentin Marlies Stockhorst einen dreiseitigen Beschwerdebrief geschrieben.
Tenor: So kann es nicht weitergehen, der Festausschuss erdrückt die Vereine mit seiner öffentlichen Präsenz auf den Narrenbühnen. Kurz gesagt: Der Festausschuss ist vom ehemaligen Interessenvertreter zum direkten Konkurrenten mutiert.
Die Kritik trifft Stockhorst ins Mark. Öffentlich will sie sich zu den Vorwürfen nicht äußern: "Ich werde mit meinen Vorstandsmitgliedern über das weitere Vorgehen beraten." Am Montag verschickte sie an alle Mitglieder des Präsidiums eine E-Mail mit der Zusage, die angesprochenen Themen im Juni in der Präsidiumssitzung des Festausschusses zu besprechen.
Roman Wagner, Vorsitzender der KG Wiesse Müüs, der den Beschwerdebrief gemeinsam mit Stadtsoldatenkommandant Ralf Wolanski, Ehrengardekommandant Thomas Janicke, GDKG-Präsidentin Michaela Wild und Durschlöscher-Präsident Jürgen Klasen unterzeichnet hat, sagte dem GA: "Der Festausschuss macht seinen Job grundsätzlich gut. Vor allem die Präsentation des Prinzenpaares ist hochprofessionell. Allerdings gibt es seit einigen Jahren die Tendenz, dass der Festausschuss sich zu stark in den Vordergrund drängt." Darüber wolle man mit Marlies Stockhorst sachlich reden, um nach Lösungen zu suchen. "Es geht uns überhaupt nicht darum, den Festausschuss bloßzustellen", sagt Roman Wagner.
Michaela Wild, Chefin der Dransdorfer Karnevalisten, bedauert, dass der Brief an die Öffentlichkeit gekommen ist: "Wir wollten unsere Sorgen eigentlich intern mit aller Sachlichkeit beraten. Jetzt hat der Brief eine Welle ausgelöst, die wir nicht beabsichtigt hatten."
Für den mutigen Schritt ernten die fünf Unterzeichner allerdings viel Beifall bei den kleinen Vereinen. Willi Baukhage, Vorsitzender der Vereinigung Bonner Karnevalisten (VBK) und Mitglied im Präsidium des Festausschusses, sagte am Montag: "Der Kuchen wird auch im Bonner Karneval nur einmal verteilt. Je aktiver der Festausschuss ist, desto weniger bleibt für die Vereine übrig." Er kritisiert vor allem das "ständige Betteln nach Geld in der Öffentlichkeit".
Baukhage: "Der Laden ist über die Jahre zu groß geworden. Der Festausschuss setzt sich aus 38 Mitarbeitern zusammen, die auf vielen Gebieten aktiv sind. Das kostet alles Geld. Der Festausschuss sollte sich lieber auf seine ureigensten Aufgaben beschränken."
Nach Meinung des VBK-Vorsitzenden hat der Festausschuss die Bodenhaftung verloren: "Marlies Stockhorst ist eine sehr gute Repräsentantin des Festausschusses, aber die Dachorganisation der Bonner Karnevalsvereine hat teilweise den Kontakt zu ihren Mitgliedern verloren. Es gibt nicht wenige, die die Nase rümpfen, wenn sich die Präsidentin mit ihrem Mann zu Terminen mit dem Wagen des Prinzenpaares fahren lässt."
Enttäuscht sind die Schreiber des Briefes auch von der Vergabepraxis bei den Eintrittskarten für die Prinzenproklamation. "Manche Vereinspräsidenten saßen in der Beethovenhalle in den letzten Reihen, während die Sponsoren die besten Plätze hatten", so Stadtsoldaten-Chef Wolanski.
Festausschuss Bonner Karneval
Der Festausschuss ist die Dachorganisation der Bonner Karnevalisten. Ihm gehören 67 Vereine an. Der Festausschuss sucht das Prinzenpaar aus, organisiert die Proklamation sowie den Rosenmontagszug und fördert das rheinische Brauchtum Karneval. Dem Präsidium des Festausschusses gehören Vereine mit mehr als 100 Mitgliedern an, sofern sie sich am Rosenmontagszug beteiligen. Das Gremium tagt einmal im Quartal und ist das Bindeglied zwischen Vereinen und Festausschuss. Das Präsidium entscheidet über das Sessionsmotto.
Artikel vom 24.04.2012
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