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Juridicum: Perle oder Klotz der Baukultur
An der Architektur des Bonner Juridicums scheiden sich die Geister. Schlechte Energiebilanz
Hingucker: 'Das Juridicum ist eine Zierde und Bereicherung für Bonn', meint Denkmal-Experte Gisbert Knopp. Foto: Barbara Frommann
Bonn. (aff) Am Juridicum scheiden sich die Geister. Manchem ist es ein schützenswertes Bauzeugnis der 60er Jahre, anderen ein lästiger Klotz mit nur eingeschränktem Nutzwert. Zu einer Bestandsaufnahme lud die "Werkstatt Baukultur", eine studentische Initiative von jungen Kunsthistorikern der Uni Bonn ein, die aus der "Initiative Beethovenhalle" hervorgegangen ist.
"Das Juridicum gehört zu den vorbildlichsten Bauten der Universität", zitierte ein Bonner Kunsthistoriker zum Einstieg in die Diskussion aus dem Architekturführer "Bauen im Bonner Raum" aus dem Jahre 1969. Eine Einschätzung, der sich Gisbert Knopp, Beauftragter für Denkmalpflege der Universität Bonn, anschloss: "Ich würde das heute noch genauso sehen, daran hat sich nichts geändert. Das Juridicum ist eine Zierde und eine Bereicherung."
Es sei unbedingt erhaltenswert und müsste eigentlich unter Denkmalschutz stehen, so Knopp. Das Geniale an dem Gebäude sei, dass es zum Zeitpunkt seines Baus kein Vorbild gab für ein Lehr- und Forschungsgebäude für Juristen in Verbindung mit den Volkswirtschaftlern.
Renovierungs- und Sanierungsfehler der Vergangenheit sollten unbedingt vermieden werden. "Es gibt Hemmungen bei der Unterschutzstellung. Davon sollten wir uns aber nicht entmutigen lassen. Es ist klar, dass das Gebäude heute nicht mehr den Vorstellungen der Lehre und Forschung entspricht", so Knopp.
Wenn ein Gebäude vernachlässigt werde, habe es keine Schuld, von außen schrecklich auszusehen. Aufnahmen aus den 1960er Jahren zeigten, wie gut es sich eigentlich in die Umgebung mit seiner zurückgesetzten Fassade einfüge.
Man sei sich der Bedeutung des Gebäudes bewusst und schätze sie ebenfalls so ein, erklärte Kristina Kornmesser, Stellvertreterin des Kanzlers und Leiterin des Dezernats 4 der Universität Bonn. Die technische Ausstattung sei aufgrund des Alters aber sehr problematisch.
Es habe die typischen Probleme der 60er und 70er Jahre. Besorgniserregend sei wie in vielen Bauten der Universität die energetische Bilanz. Die Universität habe Gespräche mit dem Landesliegenschaftsamt zur Sanierung aufgenommen. Selbst der Neubau eines weiteren ergänzenden Gebäudes werde diskutiert.
Vorsichtig beurteilt sie die Forderung nach einer Renovierung unter denkmalschützerischen Gesichtspunkten: "Das Land versucht verzweifelt, seine Hochschulbauten irgendwie zu erhalten. Alle Faktoren, die zu Kostensteigerungen führen, werden in die Kostenplanung einbezogen. Die Luft ist sehr dünn geworden, wir werden sehr genau auf den Kostenrahmen achten müssen", sagte sie.
Aus studentischer Sicht sei vor allem die Ausstattung ein Problem, erklärte Michael Stein, Vertreter der Fachschaft Jura. An warmen Tagen kämpfe man mit hohen Temperaturen, bei Regenwetter seien mitunter die Dächer undicht. Generell sei der Wert des Gebäudes zudem nur wenig im Bewusstsein der Studenten. Um dies zu ändern schlugen Vertreter der Fachschaft Kunstgeschichte eine Kooperation der Fachschaften vor. Die Bereitschaft zu kleinen Maßnahmen wie der Herrichtung der Gartenanlage oder das Angebot für kunsthistorische Führungen an Erstsemester werde diskutiert, versicherte Stein.
Bei der nächsten "Werkstatt Baukultur" geht es am Dienstag, 6. September, ab 19 Uhr um die Baugeschichte und Bedeutung des Bonner Lochs. Weitere Infos auf www.baukultur-bonn.de
Artikel vom 06.08.2011
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