Initiative AntiAtomBonn trainiert für große Rheinland-Demos

"Nur wer richtig sitzt, kann gut blockieren. Das wollen wir gleich üben", sagt Tim Petzoldt von der Initiative AntiAtomBonn auf der Hofgartenwiese.
Bild 1 von 2
Foto: dpa

 Foto: dpa

Bonn. "Nur wer richtig sitzt, kann gut blockieren. Das wollen wir gleich üben", sagt Tim Petzoldt von der Initiative AntiAtomBonn auf der Hofgartenwiese. Aber bevor es am vergangenen Samstagnachmittag ans Richtig-Sitzen gehen kann, sind noch viele Fragen der 20 Teilnehmer zu klären, die sich da nahe dem Akademischen Kunstmuseum unter den gelben "Anti-Atomkraft"-Fahnen zusammengefunden haben.

Meist Angestellte, Studenten und Schüler, aber auch eine Familie mit Kindern sind hier zum Proben für die großen Rheinland-Demonstrationen am 28. Mai zusammengekommen. "Dann wollen wir ein Signal senden, dass wir jetzt schnell aus der Risikotechnologie aussteigen wollen. Noch mal zehn Jahre warten ist keine Option", sagt Petzoldt.

Die Einlader sprächen von einem Schritt zu zivilem Ungehorsam, wenn man demnächst mit ihnen an den Atomkraftwerken Blockaden veranstalte, kommt eine Frau gleich auf den Punkt. "Ich denke, wir leben in einem Rechtsstaat." Die Demonstration in Bonn mit Kundgebung auf dem Münsterplatz sei bei der Polizei angemeldet, beruhigt Mitveranstalter Jens Koy, der Mann mit dem "Arsch huh, Zäng ussenander"-T-Shirt, die Frau.

Und von den Protestaktionen an Atomkraftwerken seit 2005 könne er sagen, dass da keine rechtlichen Folgen für Teilnehmer entstanden, auch wenn sie von den Polizisten weggetragen wurden. "Die haben gar keine Zeit, unsere Namen aufzunehmen, wenn wir da mit möglichst vielen ein Zeichen setzen."

Das beruhige sie, meint die Frau. "Ich will ja keinen Krawall machen." In Kleingruppen simulieren die Teilnehmer nun die Ausgangslage vor einer Blockade. Mögliche Ängste sollen offengelegt werden. Susanne und Claudia sind aktionserfahren. "Wir müssen immer zusammenbleiben und dann auch durch Polizeiketten durchfließen", erklären die Frauen, die im öffentlichen Dienst arbeiten und doch Sorge vor einer Festnahme haben.

Eine Dame im Rollstuhl will sich ebenso engagieren wie Lektorin Birgit, die dann genaue Nachfragen zum Ablauf einer Blockade stellt. Schüler Kalle ist auch dabei. Seine Bezirksschülervertretung habe ihn geschickt. Und natürlich sei er auch aus persönlicher Überzeugung hier, sagt der 16-Jährige.

"Ich bin bisher schon bei antifaschistischen Demos gewesen", macht sich der erst zwölfjährige Daniel Mut. "Letztes Jahr in Gorleben, das war schon aufregend. Drei Tage warten, du bis erschöpft, und dann weißt du, sie werden kommen und dich wegtragen", berichtet Petzoldt. Und dann geht es wirklich an praktische Übungen.

Erst übernimmt Petzoldt die Rolle des Demonstranten und Koy mimt den Polizisten. Dann versucht Petzoldt den Kollegen von AntiAtomBonn als Polizist vom Fleck zu heben. "Das ist echt schwer", stöhnt er. Bewusst schlüpfe man hier in beide Rollen. Es sei wichtig zu verstehen, welche Signale man als Demonstrant aussende. Um dann zu verstehen, was einen Polizisten dabei aggressiv machen könnte. "Und genau das wollen wir ja nicht."

Abo-Bestellung

Leserfavoriten

Folgen Sie uns auf Google+