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Informatiker wollen nicht ins alte Landesbehördenhaus ziehen
Von Johannes Seiler
Die Informatiker der Universität Bonn machen sich zunehmend Sorgen, ob bis Ende des Jahres ein passendes Ersatzdomizil für sie gefunden wird. Bis dahin müssen sie aus dem Allgemeinen Verfügungszentrum III an der Römerstraße ausziehen, weil es seit Jahren Probleme mit zu hohen Werten an giftigen Polychlorierten Biphenylen gibt.
Bonn. Die Informatiker der Universität Bonn machen sich zunehmend Sorgen, ob bis Ende des Jahres ein passendes Ersatzdomizil für sie gefunden wird. Bis dahin müssen sie aus dem Allgemeinen Verfügungszentrum (AVZ) III an der Römerstraße ausziehen, weil es seit Jahren Probleme mit zu hohen Werten an giftigen Polychlorierten Biphenylen (PCB) gibt.
"Wir haben erhebliche Zweifel, ob das mit der Ersatzunterbringung rechtzeitig klappt", sagte Astrid Brezina von der Fachschaft Informatik. Ein Gespräch mit Vertretern der Universitätsverwaltung habe kein greifbares Ergebnis gebracht. Es gebe keine konkrete Zeitplanung, wann mit dem Auszug aus dem PCB-verseuchten Gebäude begonnen werden kann.
Auf Vorschläge der Fachschaft nach einem Runden Tisch und der Prüfung weiterer Standorte sei nicht eingegangen worden. "Viele Jahre sind vergangen", sagt Brezina. "Und passiert ist nichts." Ursprünglich sollte für die Informatiker auf den landwirtschaftlichen Versuchsflächen in Poppelsdorf ein Ausweichquartier in Modulbauweise errichtet werden.
2014 sollen die Computerexperten auf dem dort zu errichtenden Campus ohnehin ein neues Gebäude erhalten. Doch Ende 2010 müssen die Informatiker das PCB-belastete Gebäude an der Römerstraße verlassen. Über eine Zwischenunterbringung wird noch gerungen, nachdem sich der Plan für das provisorische Quartier in Poppelsdorf zerschlagen hat - weil sich dafür der Zeitplan aufgrund von Verzögerungen nicht mehr halten lässt, teilte die Uni mit.
Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, der die Gebäude an die Uni vermietet, prüft derzeit, ob die Informatiker bis 2014 im leer stehenden Landesbehördenhaus - dem ehemaligen Polizeipräsidium an der B 9 - untergebracht werden können. Studenten und Mitarbeiter der Informatik können sich dafür aber nicht erwärmen.
"Die Lehre soll weiterhin im AVZ an der Römerstraße stattfinden", berichtet ein wissenschaftlicher Mitarbeiter. Das würde nur im Pendelverkehr zu bewerkstelligen sein - bei rund 30 Minuten für eine Fahrtstrecke, sagte er. "Das ist bei den vielen Veranstaltungen eine enorme zeitliche Belastung."
Es herrsche unter den Mitarbeitern auch erhebliche Verunsicherung, weil sich mittlerweile die Anweisungen für die Messungen der PCB-Belastung geändert hätten. "Früher durfte acht Stunden vor der Messung nicht gelüftet werden, jetzt nur noch eine", berichtet der Mitarbeiter. "Wir befürchten, dass so die Messwerte niedrig gehalten werden sollen."
Wenn im Sommer durch die hohen Temperaturen die PCB-Werte weiter anstiegen, verschärfe sich das Problem. Büros müssten dann vielleicht kurzfristig geräumt werden, so die Befürchtung.
Mit kurzfristigen Raumschließungen sei nicht zu rechnen, teilte die Uni mit. "Das Landesbehördenhaus stellt die derzeit praktikabelste Interimslösung dar", so Pressesprecher Andreas Archut.
Es seien im Vorfeld mehrere Alternativen geprüft worden. Der Pendelaufwand zum Behördenhaus halte sich mit rund 25 Minuten für den ÖPNV in Grenzen. Man beteilige sich nicht an "Was-wäre-wenn?-Gedankenspielen", teilte die Pressestelle auf die Frage hin mit, wie die Uni vorgehen will, wenn sich auch die Lösung mit dem Landesbehördenhaus zerschlägt.
"Die PCB-Problematik hat aufgrund ihrer Komplexität und auch der Emotionalität des Themas eine Qualität, die die beteiligten Dialogpartner manchmal vor schier unlösbare Aufgaben gestellt hat", so Archut.
Artikel vom 17.05.2010
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