Ibrahim Al-Megren: "Wir stehen unter ständiger Kontrolle"

Die König-Fahd-Akademie, die einst als Islamistentreff galt, hat seit September einen neuen Direktor: Ibrahim Al-Megren. Er bekennt sich zur Integration. Mit dem Schulleiter sprach Ebba Hagenberg-Miliu.
Ibrahim Al-Megren ist Direktor der König-Fahd-Akademie.
							Foto: Ronald Friese
Ibrahim Al-Megren ist Direktor der König-Fahd-Akademie. Foto: Ronald Friese

Bonn. Seit September ist Ibrahim Al-Megren neuer Direktor der König-Fahd-Akademie in Bad Godesberg. Mit dem Schulleiter sprach Ebba Hagenberg-Miliu.

General-Anzeiger: Was ist Ihre Aufgabe?

Ibrahim Al-Megren: Die Schulleitung hier hat natürlich eine andere Dimension als in Saudi-Arabien. Die große Herausforderung in Deutschland ist, dass wir unseren Schülern eine adäquate gute Ausbildung bieten müssen. Unsere Schüler sollen die Akademie auch mit guten Kenntnissen in drei Sprachen verlassen: Deutsch, Englisch und Arabisch. Das heißt, wir müssen dafür sorgen, dass sie keine zusätzlichen Deutsch-Sprachkurse brauchen. Wenn wir Schüler sehr gut ausbilden, nützen sie auch der hiesigen Gesellschaft.

GA: Wie viele Schüler haben Sie derzeit und woher kommen sie?

Al-Megren: Es sind dieses Schuljahr 153. Ihre Familien kommen meist aus den arabischen Ländern. Viele sind vorübergehend hier und gehen wieder zurück in ihre Heimat. Einige haben ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland. Für die ist es wichtig, dass wir ein Programm entwickeln, das ihnen bei der Integration hier hilft.

GA: Nach welchen Kriterien nehmen Sie Schüler auf?

Al-Megren: Wir nehmen nicht alle Kinder auf, die von ihren Eltern angemeldet werden. Das Alter des Kindes zählt erst einmal. Wir bieten die Schulklassen 1 bis 12. Die Eltern müssen sich in Deutschland rechtmäßig aufhalten. Und das Kind muss eine Genehmigung des Bonner Schulamts vorweisen.

GA: Sie haben also auch Kinder mit deutscher Staatsangehörigkeit an der Schule?

Al-Megren: Ja, einige. Aber alle haben die Genehmigung des Schulamts.

GA: Schaut der deutsche Staat auch auf die von Ihnen genutzten Schulbücher?

Al-Megren: Unsere Lehrpläne und Bücher werden von Saudi-Arabien zugelassen. Dazu entfernen wir jedes Schuljahr eigenständig alle Aussagen aus dem Lehrmaterial, die doppeldeutig oder falsch interpretiert werden können. Wir stehen selbstverständlich auch hier in ständiger Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden.

GA: Was ist die König-Fahd-Akademie heute: Schule und Moschee?

Al-Megren: Unsere Akademie ist nur eine Schule und keine Moschee. Sie hat einen Gebetsraum, der aber nur für die Mitarbeiter und Schüler zugelassen ist.

GA: Nicht für die Eltern, nicht für andere Gruppen wie in der Vergangenheit?

Al-Megren: Ausdrücklich nein. Ich weiß, dass in der Vergangenheit einer der Direktoren viele Anmeldungen von Muslimen bekam und die Akademie auch für Gruppierungen öffnete. Da kamen Leute hierher, die die Schule gar nicht kannte. Der Gebetsraum wurde öffentlich gemacht. Das führte dazu, dass diese Leute der Schule zugerechnet wurden. Das ist längst vorbei. Der Gebetsraum bleibt auch in Zukunft für die Öffentlichkeit geschlossen. Es gibt zwar Leute von außen, die hier beten wollen. Wir lassen sie aber nicht rein. Es gibt heute eine ständige Zusammenarbeit zwischen den Behörden hier in Deutschland und der Akademie. Die Akademie steht heute unter ständiger Kontrolle zweier Staaten.

GA: Sie sind sicher unglücklich über das aus der Vergangenheit resultierende schlechte Image.

Al-Megren: Ja klar. Aber die Beziehungen zwischen Deutschland und Saudi-Arabien sind sehr stark. Und dieses saudische Gebäude auf deutschem Boden muss als erstes Ziel den kulturellen Austausch haben. Wir nehmen aktiv am christlich-islamischen Dialog in Bad Godesberg teil. Wir arbeiten mit dem evangelischen Amos-Comenius-Gymnasium zusammen, pflegen Kontakte zu anderen Schulen. Wir sind Teil hiesiger Straßenfeste. Unsere Schüler lernen örtliche Kirchen kennen.

GA: Welche Rolle spielt die Akademie heute in Bonn?

Al-Megren: Sie ist wichtig, weil sie der arabischen Gemeinschaft in Bonn in Sachen Integration hilft. Das ist besonders wichtig im Lernprozess für arabische Jugendliche. Das heißt, die Schule trägt auch zu einer Beruhigung in Deutschland bei. Dafür ist aber Vertrauen von beiden Seiten nötig.

GA: Was erwarten Sie also von der deutschen Seite?

Al-Megren: Dass die deutsche Seite Eltern hilft, ihre Kinder auf diese Schule zu bringen. Es gibt einen akuten Bedarf. Hier bei uns bekommen sie eine Ausbildung, die von beiden Staaten kontrolliert wird. Sonst könnte es sein, dass diese Eltern ihre Kinder hier in Deutschland in private Koranschulen schicken, die eben nicht unter Kontrolle stehen.

GA: Wie sehen Ihre Ziele aus?

Al-Megren: Wir haben den Plan, die Akademie mehr zu öffnen, etwa bei einem Tag der offenen Tür im April 2012. Wir weiten 2012 unser Fußball-Schulturnier aus. Es ist uns wichtig, dass unsere Schüler mehr in Kontakt mit Gleichaltrigen kommen, sich besser in die Gesellschaft integrieren. Ich hoffe auch auf eine Zusammenarbeit mit den deutschen Kollegen. Wir wollen unsere Beziehungen zum christlich-islamischen Dialog, unser Engagement bei Integrationsveranstaltungen intensivieren. Wir wissen, dass wenig genaue Informationen, dass Missverständnisse über uns bestehen. Die wollen wir ausräumen. Deshalb wollen wir uns öffnen. Ich sehe unsere Schule im Rahmen des kulturellen Austausches zwischen Deutschland und Saudi-Arabien.

GA: Sie sind zum ersten Mal in Bonn. Wie erleben Sie die Stadt?

Al-Megren: Bonn ist eine moderne Stadt, die auch landschaftlich sehr schön gelegen ist. Ich wohne mit meiner Familie sehr gerne nahe der Schule in Wachtberg. Bonn ist sehr ruhig und man kommt einfach und schnell zur Arbeit.

Zur Person

Ibrahim Al-Megren (51) ist saudi-arabischer Staatsbürger. Seinen Doktor der Methodik und Didaktik legte er an der University of Pennsylvania/USA ab. Er war Schuldirektor in Riad und dann im Schulministerium tätig. Al-Megren ist verheiratet und hat sechs Kinder; drei sind erwachsen, drei besuchen die König-Fahd-Akademie.

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