Verblüffende Ähnlichkeit

Hochwürden im Doppelpack

BONN.  Die Zwillinge Alfred und Heribert Hausen feiern am Mittwoch ihr Goldenes Priesterjubiläum. Wenn selbst die Mutter ihre beiden Söhne kaum auseinanderhalten konnte, wie sollten es dann die Freunde und Bekannten von Alfred und Heribert Hausen?
Bild 1 von 2

Zeitsprung: Die Zwillinge Alfred und Heribert Hausen in den 1930er Jahren bei einem Ausflug mit ihrer Mutter Katharina zum Drachenfels... Repro: GA

Schließlich sind die beiden nicht nur eineiige Zwillinge, sondern tragen aufgrund ihres Berufes auch noch stets die gleiche Kleidung: Seit nunmehr 50 Jahren sind die Brüder katholische Priester. Beide sind inzwischen zum Ehrendechanten ernannt und pensioniert, aber dennoch in ihren Heimatgemeinden als Seelsorger unterwegs: Der eine, Alfred, in Buschdorf und Graurheindorf, der andere, Heribert, in Asbach. Am übernächsten Sonntag, 4. März, feiern sie offiziell ihre Goldenes Priesterjubiläum gemeinsam in der Buschdorfer Pfarrkirche Sankt Ägidius (ab 11 Uhr).

Als die "Priesterzwillinge", wie sich selbst scherzhaft auf dem Titel ihrer gemeinsam verfassten Memoiren nennen, am 24. Januar 1936 im Vinzenz-Hospital in Köln-Nippes auf die Welt kamen, hatte die Familie sich eigentlich auf ein Mädchen eingestellt. Und erst, als der erstgeborene Heribert abgenabelt war, wurde allen klar: Da kommt noch ein zweiter hinterher.

Beinahe hätte ihre verblüffende Ähnlichkeit Heribert das Leben gekostet. Als er als Kleinkind einmal 40 Grad Fieber hatte, verwechselte ihn die Mutter vor lauter Aufregung und ging mit dem jüngeren Alfred zum Arzt. Der bemerkte die Verwechslung allerdings sofort und ließ das kranke Kind holen. Gerade noch rechtzeitig, denn Heribert Hausen überlebte nur dank einer Bluttransfusion. Von dem Tag, so erzählen sie in ihren Büchlein, ging die Mutter nur noch mit beiden Kindern zum Arzt.

Aufgewachsen in Köln-Mühlheim machten beide am selben Gymnasium das Abitur und studierten Philosophie und Katholische Theologie in Bonn, Freiburg und Köln. Beide wurden am 22. Februar 1962 im Kölner Dom zu Priestern geweiht. Nach der Kaplanszeit hatte endlich einmal der zweitgeborene Alfred die Nase vorn.

Er trat im März 1972 in Buschdorf in Sankt Ägidius seine Pfarrstelle an. Der Bruder musste indes nicht lange warten, er fand wenig später in Asbach/Westerwald eine Pfarrei. Im Oktober war Einführungsgottesdienst. Beim anschließenden Fest kam es wieder zu einer Verwechslung: Statt Heribert begrüßte die Gemeinde Alfred mit tosendem Applaus. "Das kann uns heute wohl nicht mehr passieren, ich bin dicker", sagt Alfred Hausen und lacht.

Wie sein Bruder kann er seine kölsche Herkunft nicht leugnen, vor allem wenn er mit viel Witz auf Kölsch predigt oder an Karneval in die Bütt steigt. Kostproben davon findet man in einem von ihm veröffentlichen Heftchen "www.humor-durch-die-kirche.de" mit Mundartpredigten und Karnevalsreden des Geistlichen. Gewidmet "der Freude, die aus dem Glauben kommt", schreibt er dazu in seinem Vorwort.

Jetzt freut sich der Ehrendechant auf gemeinsame Festgottesdienste mit seinem Bruder in Buschdorf und auch in dessen alter Gemeinde in Asbach sowie in der Kölner Pfarrei ihrer Kindertage. Als Zeichen für ihr Jubiläum hat Hausens langjährige Pfarrsekretärin Margarete Brungs beiden Brüdern goldene Kränzchen geflochten, die die Biretts, eine Kopfbedeckung für Geistliche, zieren sollen. Und damit gleichen sich die beiden dann doch wieder wie ein Ei dem anderen.

"Die Priesterzwillinge - Hochwürden in Doppelpack", erschienen im Benno-Verlag, ISBN 978-3-7462-2686-6, 9,80 Euro.

Artikel bookmarken bei... Facebook retweet Del.icio.us in Google Bookmarks speichern bei Mister Wong speichern bei Webnews speichern Yigg
Abo-Bestellung

Anzeigen

Anzeige

Anzeigen