Cross-Radstrecke in Dottendorf

Heftiger Protest gegen Dirt-Bike-Platz

IPPENDORF/DOTTENDORF.  17 Bürgeranträge sollen die Cross-Radstrecke verhindern. SPD-Bezirksbürgermeister Helmut Kollig ist verärgert über den Vorstoß. Die CDU diskutiert am Mittwoch.
Hinter dem Kindergarten Am Zwergenwald schließt sich die zugewachsene Wildwiese an, auf der die Cross-Strecke für die Radler entstehen soll.
								Foto: Rolf Kleinfeld
Hinter dem Kindergarten Am Zwergenwald schließt sich die zugewachsene Wildwiese an, auf der die Cross-Strecke für die Radler entstehen soll. Foto: Rolf Kleinfeld

Den Cross-Bikern Bjarne, Oskar, Dominik und ihren Freunden aus Ippendorf, die mit ihren Spezialfahrrädern Hügel überspringen und dafür einen so genannten Dirt-Bike-Platz bauen wollen, schlägt an dem nun vorgesehenen Standort in Dottendorf die Ablehnung der dortigen Nachbarn mächtig ins Gesicht. Mit insgesamt 17 Bürgeranträgen wollen Anwohner des Eulenweges verhindern, dass die jungen Leute ihre Cross-Strecke auf der Wiese hinter dem Hertha-Platz am F.A.-Schmidt-Weg errichten dürfen.

Die Anwohner führen dabei zwei Argumente an: Zum einen sehen sie in der wilden Wiese hinter dem Kindergarten Am Zwergenwald, die mit Büschen, wilden Brombeeren, Brennnesseln und Gras völlig zugewachsen ist, ein "beliebtes Naherholungsgebiet" am Waldrand, das quasi schützenswert ist. Zum anderen werde der Platz für eine erhebliche Verkehrszunahme in dieser ruhigen Ecke sorgen, weil womöglich Eltern aus dem gesamten Stadtgebiet ihre Kinder mit dem Auto dorthin bringen würden.

Außerdem würden die Biker schon jetzt den Venusberghang sehr häufig als Abfahrtsstrecke nutzen - ein rechtswidriger Zustand im Landschaftsschutzgebiet. Und gefährlich obendrein für die Spaziergänger und Anlieger.

Die 17 Nachbarn, die gegen die Errichtung des Dirt-Bike-Platzes mobil machen, wohnen allesamt am Eulenweg und haben sich augenscheinlich mit ihren Bürgeranträgen abgesprochen. Kaum ein Thema hat die Bürger bisher so polarisiert. Die erste Wohnbebauung beginnt rund 100 Meter von der Wiese entfernt, manche Kritiker wohnen sogar 400 Meter entfernt von dem 4000 Quadratmeter großen Areal. Der Eulenweg wird gesäumt durch meist frei stehende Einfamilienhäuser mit gepflegten Vorgärten und wird derzeit praktisch nur von Anliegern und Eltern des Kindergartens befahren. Die Straße ist aber gut ausgebaut und hat beidseitig Bürgersteige.

Eine klare Meinung zu den 17 Bürgeranträgen hat indes Bezirksbürgermeister Helmut Kollig. Er spricht von einer "Kampagne", die da losgetreten wurde, und vom Sankt-Florians-Prinzip, weil die Anwohner alternativ fordern, andere Flächen in Ippendorf, Lengsdorf oder Röttgen bereitzustellen. "Das hat mit gesundem Bürgerwillen nichts zu tun", sagt Kollig, sondern sei reines Partikularinteresse und Stimmungsmache gegen ein tolles Projekt. "Das habe ich überhaupt noch nicht erlebt", redet sich Kollig in Rage. "Ich habe langsam die Nase voll."

Mit dem Argument des Naturschutzes kann der SPD-Bezirksbürgermeister überhaupt nichts anfangen. "Für mich ist dieses Argument Schwachsinn, tut mir leid." Fehlte nur noch, dass seltene Tiere gefunden werden. Kollig: "Ich kann auch in der Eifel einen Frosch platt treten und den hier hinlegen."

Die Wiese gehört zum F.A.-Schmidt-Fußballplatz und ist planerisch als Sportfläche ausgewiesen. Der Namensgeber, jener Geheimrat Ferdinand August Schmidt, war einst eine Leitfigur des deutschen Sports und als gebürtiger Bonner der geistige Vater des Stadtsportbundes. Zeitlebens zeigte er besonderen Einsatz für Sportvereine. Sein Credo: "Heraus aus den Hallen - auf den grünen Rasen." Der Dirt-Bike-Platz soll unter dem Dach des RSC Sturmvogel Bonn angesiedelt werden. Die Investitionskosten für die Cross-Strecke, rund 10.000 Euro, will die Bürgerstiftung Bonn spendieren.

Die örtliche CDU lädt für Mittwochabend zu einer Bürgerversammlung über das strittige Thema ein. Sie beginnt um 20 Uhr im großen Saal des Ortsteilzentrums Dottendorf.

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