Hauptschülerin wird Hauptschullehrerin

Leyla Dilbaz ist nach neun Jahren wieder an die Johannes-Rau-Schule zurückgekehrt: als frischgebackene Pädagogin.
Die Fünftklässler sind von Lehrerin Leyla Dilbaz begeistert. Jamila (l.) und Dilan bekommen von ihr viele Lerntipps.
							Foto: Ronald Friese
Die Fünftklässler sind von Lehrerin Leyla Dilbaz begeistert. Jamila (l.) und Dilan bekommen von ihr viele Lerntipps. Foto: Ronald Friese

Pennenfeld. Sie ist die personifizierte Erfolgsgeschichte, die quirlige junge Klassenlehrerin, die da zum neuen Schuljahr die Fünfer an der Johannes-Rau-Hauptschule übernommen hat. "Schau dir die Aufgabe noch mal an", spricht Leyla Dilbaz einfühlungsvoll mit einem Jungen. Ihre Lehrerin sei supernett, erkläre alle Schwierigkeiten noch mal an der Tafel, flüstern Nora, Asmah und Cheline-Alina.

"Und wissen Sie was? Frau Dilbaz war selbst mal in unserer Hauptschule und hat es geschafft." Das gilt seit Anfang des Schuljahrs im Schulzentrum als schlagendes Argument: Die Absolventin Leyla, die 2002 hier ihren Mittleren Bildungsabschluss machte, ist wiedergekehrt: als frischgebackene Lehrerin, ihr zweites Examen mit einem blendenden Notendurchschnitt von 1,6 in der Tasche.

"Alle Achtung", sagt auch Dilbaz damalige und jetzige Rektorin Christine Heidbreder. Und der Stolz darüber, dass es dieses Prachtmädchen gerade auch aus einer muslimischen Familie so weit gebracht hat, spricht ihr aus dem Gesicht. "Diese Schule hat mir alle Türen geöffnet. Ich habe mich sehr wohlgefühlt. Da wollte ich wiederkommen", erklärt die 25-Jährige.

Andere Stellenangebote habe sie ausgeschlagen. Seit sie eins ihrer Praktiken während des Studiums hier absolvierte, sei sie sich sicher gewesen. Dabei war der Weg sicher steinig. Ein Drittel bis zur Hälfte der Zehntklässler schafften an der Johannes-Rau-Schule im Schnitt zwar den Mittleren Bildungsabschluss, rechnet die Rektorin vor. Davon gingen die meisten zur Berufsfachschule oder in Ausbildung. "Nur wenige versuchen den Sprung aufs Gymnasium. Und noch weniger schaffen das Abitur."

Nur wenige Hauptschulabsolventen würden an den Bonner Gymnasien überhaupt auch aufgenommen, ergänzt Leyla Dilbaz. Und ihre Augen blitzen. Sie hat damals Absagen einstecken müssen. Das Konrad-Adenauer-Gymnasium (KAG) wollte sie haben. Und da hat sie sich mit Fleiß und Zielstrebigkeit durchgebissen. "Klar, der Wechsel damals war krass. Aber ich bin nett empfangen worden, habe Förderkurse genutzt und war sehr motiviert", spricht Dilbaz nur gut von ihrer Zeit am KAG.

Da ihre türkischen Eltern auch immer viel Wert auf die Bildung gelegt hätten, habe sie wunderbare Ausgangsbedingungen gehabt und ihre Chance auch im Studium von Mathematik, Wirtschafts- und Arbeitslehre, Soziologie und Sport genutzt. "Meine Familie ist jetzt natürlich auch sehr glücklich." Dilbaz lacht.

Hier auf ihrer ehemaligen Penne sehe sie ihre Rolle natürlich auch klar. "Ich will den Schülern zeigen, dass es jeder schaffen kann, der es wirklich will. Jeder ist für sich selbst verantwortlich." Sie hoffe auf den Effekt, dass motivationslose Schüler mit Blick auf die neue Lehrerin ihr Schicksal endlich in die Hand nehmen, ergänzt Rektorin Heidbreder.

Auch von der Hauptschule aus könne jeder nach und nach seine Schulkarriere individuell aufbauen. "Das Schlimmste ist doch, wenn die Schüler vom Gymnasium oder der Realschule zurückgestuft werden und dann ihr Selbstwertgefühl verlieren." Die Johannes-Rau-Schule könne mit Team-Teaching zweier Pädagogen und kleiner Klassenstärke besonders gut fördern, sagt Dilbaz. Und wie setzt sie sich als hübsche junge Frau gegen so manchen Möchte-gern-Macho an der Schule durch? "Den blicke ich nur einmal böse an", kommt wie aus der Pistole geschossen.

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