Ermekeilkaserne in Bonn

Hauptgebäude steht seit 13 Jahren leer - ein Rundgang

BONN.  Seit mehr als 13 Jahren steht das Hauptgebäude der Ermekeilkaserne, ein Backsteinbau aus dem Jahre 1883, leer. 35 Millionen D-Mark sollte damals eine Sanierung kosten. Passiert ist seitdem nichts. Doch langsam, aber sicher kommt Bewegung in die Sache.
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Liebevoll saniert wurde das 1903/04 errichtete Stabsgebäude, auf das Michael Kuntscher zeigt.
											Foto: Axel Vogel

Liebevoll saniert wurde das 1903/04 errichtete Stabsgebäude, auf das Michael Kuntscher zeigt. Foto: Axel Vogel

Es knarrt und quietscht beim Gang durch die leeren Flure. Es geht vorbei an Bürotüren, auf denen noch die Referatsbezeichnung auf Karton unter Messingrähmchen vor sich hin vergilben. Ganz oben, Fischgrätenparkett im Flur, lindgrüner Teppichboden, schalldichte Türen: Hier residierte mit Franz-Josef Strauß der letzte Verteidigungsminister, bevor alles an die Hardthöhe zog. Ein Jahresplaner in einem verwaisten Raum erinnert als einziger Zeuge an das Jahr, in dem das Haus endgültig geräumt wurde: 1998.

Das Hauptgebäude der Ermekeilkaserne, ein massiger Backsteinbau von 1883, steht seit mehr als 13 Jahren leer. "Damals wurde veranschlagt, dass man 35 Millionen D-Mark für eine Sanierung investieren müsste", erklärt Kasernenkommandant Michael Kuntscher. "Aber die wollte man nicht ausgeben, weil geplant war, dass wir eh 2007 ausziehen."

Kuntscher gehört dem zivilen Stab des Bundesamts für Wehrverwaltung an, der mit knapp 400 Mitarbeitern noch in der weitläufigen Anlage verharrt. Aber nicht mehr lang: Brigadegeneral Heinrich Tiller, Standortältester in Bonn, hatte schon Anfang Februar angekündigt, dass die Tage der Behörde an diesem Standort gezählt sind. "Im ersten Quartal werden wir den Standort freiziehen", so Kuntscher.

Etwa 1200 Beschäftigte zählt das Bundesamt für Wehrverwaltung, die auf sieben Liegenschaften in Bonn verteilt sind. Hier in der Südstadt ist der Hauptsitz. Präsident Matthias Leckel wird sein Büro ab 2013 auf der Hardthöhe haben. "Halt! Ausweiskontrolle!" Das soll es dann nicht mehr geben. Eine zivile Nutzung, die wird schon seit mehr als 20 Jahren angedacht.

Ideen gab es viele, doch so nah an einer neuen Nutzung des 24.000 Quadratmeter großen Areals mit seinen fünf Gebäudekomplexen in der Südstadt war man wohl nie. Die Initiative zur zivilen Nutzung der Bonner Ermekeilkaserne sieht endlich eine reelle Chance für ihre Vorstellungen. Denn die seit gut fünf Jahren bestehende Initiative kann sich gut vorstellen, auf dem Gelände eine Mischung aus Arbeit, generationenverbindendem Wohnen und verschiedenen Begegnungsformen, zum Beispiel Stadtteilzentrum, umzusetzen.

Dabei könnten die Themen Integration und Internationales Bonn auf vielfältige Weise aufgegriffen werden, meint Kristian Golla von der Initiative. Unterdessen mag man fast kaum an einen Zufall denken, dass der städtebauliche Ideenwettbewerb, der sich jetzt zum sechsten Mal an Postgraduierte richtet, zur Bonner Ermekeilkaserne ausgelobt ist.

Die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung in NRW unterstützt damit den Nachwuchs der Fachrichtungen Städtebau, Stadt- und Regionalplanung an Unis und Fachhochschulen in NRW. Am Freitag, 16. März, tagt das Preisgericht im Beueler Rathaus. Die Entwürfe werden ab 30. März im Stadthaus ausgestellt.

Am Dienstag brachte die Bezirksvertretung Bonn einen Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Ermekeilstraße, Bonner Talweg, Reuterstraße und Argelanderstraße auf den Weg. "Ziel der städtebaulichen Planung ist es, an dieser Stelle die Chance einer Innenentwicklung aufzugreifen und hier nachhaltige und attraktive bauliche Strukturen mit dem Schwerpunkt Wohnen entstehen zu lassen", heißt es darin.

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