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Ein spätes Geständnis nach fast 20 Jahren kam am Dienstag dem Angeklagten im Prozess um die Tötung der 46 Jahre alten Journalistin Regine P. über die Lippen. Der heute 37 Jahre alte Koch gestand am zweiten Verhandlungstag vor dem Bonner Landgericht, dass er in der Nacht auf den 12. Juli 1992 im Drogenrausch versucht hatte, die Mutter eines guten Freundes zu vergewaltigen.
Mehrere Tage zuvor sei er schon einmal nachts über den Balkon in die Rüngsdorfer Wohnung eingestiegen. Der damals 18-Jährige habe mit seinem Freund einen Joint rauchen wollen - der 17-Jährige sei jedoch nicht zu Hause gewesen. An jenem Abend habe er allerdings bemerkt, dass Regine P. augenscheinlich Männerbesuch hatte.
Da habe er plötzlich gedacht: "Was der mit ihr macht, könnte ich ja auch mit ihr machen." In der Folgezeit seien in ihm Vergewaltigungsfantasien gereift. Am Abend der Tatnacht habe er mit Freunden gefeiert, dabei neben Alkohol auch Amphetamin und Haschisch konsumiert. Dann sei er zur Wohnung der Journalistin, um sie zu vergewaltigen.
Der Koch schilderte vor Gericht, wie er sich eine Mütze tief ins Gesicht gezogen und ein rotes Dreieckstuch umgebunden habe, so dass nur noch seine Augen zu sehen waren. Dann sei er ans Bett der schlafenden 46-Jährigen getreten. Als sie wach wurde und sofort anfing zu schreien, habe er sich auf sie gestürzt und ihr den Mund zugehalten.
Das Opfer habe ihm derart fest in die Hand gebissen, dass aufgrund der Schmerzen ein Schalter in seinem Kopf umgelegt worden sei. Er habe versucht, ihre Gegenwehr zu unterbinden, indem er ihr einen Blumentopf auf den Kopf geschlagen habe. Zudem habe er versucht, einen ihrer Arme zu fixieren, indem er das Bettlaken und eine Leggins der 46-Jährigen um den Arm und ihren Kopf gebunden habe.
Anschließend habe er ihr noch einen Schlag mit der Faust verpasst. Dann habe er versucht, sie zu vergewaltigen. Dazu kam es laut seiner Erinnerung aber nicht. Vielmehr habe er sich in dieser "abstrusen Situation" gefragt, was er da eigentlich mache und sei daraufhin aus der Wohnung geflohen.
"Das Ganze war wie ferngesteuert", so der Angeklagte. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 37-Jährigen einen Mord aus Verdeckungsabsicht vor. Der Angeklagte gab hingegen an, dass er das Opfer nur fixieren und nicht habe töten wollen. Er habe beim Verlassen der Wohnung gedacht, dass sie nur ohnmächtig gewesen sei: "Ich bin davon ausgegangen, dass sie wieder aufwacht", beteuerte der Koch unter Tränen.
Ein "Schock, aber auch eine Erleichterung" sei seine Verhaftung im vergangenen Jahr gewesen. Nach der freiwillig abgegebenen Speichelprobe für neue DNA-Analysen habe er gewusst, dass ihm die Ermittler nun auf die Schliche gekommen seien und ihm "nur noch ein paar Tage bleiben, um klar Schiff zu machen". So habe er unter anderem seinen Keller ausgeräumt und sein Auto verschenkt.
Ihm sei bewusst, dass er eine riesige Schuld auf sich geladen habe. Er werde wohl nie die Worte finden, um beim Sohn der Getöteten um Verzeihung zu bitten. Anstatt sich zu offenbaren, war der Angeklagte damals sogar noch mit dem Hinterbliebenen in Urlaub gefahren. Er habe gedacht, der Sohn brauche ihn als Freund und Stütze. Der Prozess wird fortgesetzt. Der Sohn soll demnächst als Zeuge gehört werden.
Artikel vom 15.02.2012