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Ramadan in Bonn
Fasten bei Sommerhitze - "Man muss nur wollen"
Von Cem Akalin
BONN. Viele Muslime fasten auch bei heißem Wetter und schwerer Arbeit noch bis Sonntag. "Natürlich fasten wir", rufen die beiden Arbeiter vom Baugerüst hinunter. Für mehr haben sie aber keine Zeit. Es herrscht Hochbetrieb auf der Moscheebaustelle an der Brühler Straße.
Esma (links) und Faruk von der Yaman-Bäckerei fasten - trotz der Leckereien um sie herum und trotz Hitze am Backofen. Foto: Cem Akalin
Unter den Handwerkern sind auch Deutsche, aber die meisten kommen aus Marokko oder der Türkei. Auch Najim (36) hat alle Hände voll zu tun, aber der marokkanischstämmige Deutsche nimmt sich dennoch die Zeit, um zu erklären, warum er trotz schwerer körperlicher Arbeit und des warmen Wetters die Regeln des islamischen Fastenmonats Ramadan einhält.
Während dieser 30 Tage, die am Sonntag enden, essen und trinken gläubige Muslime am Tag nichts, und auch sonst leben sie enthaltsam und bewusster. "Die ersten Tage ist es schwer, aber wenn man sich dran gewöhnt hat, ist es kein Problem mehr", sagt der Bonner Elektromeister. "Man muss nur wollen, dann geht es fast von alleine", erklärt er lachend. Für ihn sei es selbstverständlich, während des Ramadans zu fasten, "weil ich meine Religion praktiziere und ernst nehme."
Nabil (19) sieht es ähnlich. Der Abiturient jobbt während der Ferien bei dem Elektromeister. Er findet nicht, dass die Arbeit so schwer ist, dass er aufs Fasten verzichten müsste. Andere sehen es anders, wollen aber lieber nicht ihre Namen nennen. Der 33-jährige Fliesenleger Hasan indes gibt zu, dass er an diesem Tag nicht fastet. "Wir mussten gestern Nacht eine Sonderschicht einlegen, da war ich heute so kaputt, dass ich einen Tag mit dem Fasten pausiert habe."
Nabil nimmt es genau mit dem Fastenmonat: "Man soll sich und seine Gedanken reinigen. Es geht also auch darum, seelisch Verzicht zu üben, also auch mal aufs Fernsehen zu verzichten, seine Gebete einzuhalten." Der Fastenmonat sei etwas ganz Besonderes, weil er daran erinnere, dass Gott den Koran herabgesandt habe.
In der Yaman Bäckerei an der Maxstraße geht es nicht minder geschäftig zu. Hinten in der Backstube ist Stress pur angesagt. "Wir backen das Ramadanbrot", erklärt Esma (23). "Ramazan Pidesi gibt es nur während der 30 Fastentage. Es ist ein besonderes ovales Fladenbrot, das mit Ei überbacken und mit viel Sesam und schwarzem Kümmel bestreut ist."
Ab 18 Uhr stehen die Gläubigen Schlange an der kleinen Bäckerei, um das Brot kaufen zu können. Für die junge Frau ist es selbstverständlich, das Fasten einzuhalten - trotz der vielen Leckereien, die sie tagsüber im Geschäft verkaufen muss. Gerät man da nicht in Versuchung? Sie lacht: "Nein, nur zu Beginn der Fastenzeit ist es schwierig, sich umzustellen. Danach geht's."
Für ihren Cousin Faruk (21) ist es da schon schwerer: "Wenn es draußen 33 Grad sind und du vor dem 300 Grad heißen Ofen stehst, dann kommst du ganz schön ins Schwitzen." Aber er hält sich dennoch an die Fastenregeln? "Das einzige, was ich mir zwischendurch gönne", sagt er und grinst, "ist ein kurzer Aufenthalt im Kühlraum, am liebsten barfuß. Danach bist du wieder fit."
Artikel vom 18.08.2012
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