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Heinrich Welsch war keine erfundene Figur, er stammte aus Arzdorf im ehemaligen Bonner Landkreis und lebte von 1848 bis 1935. Doch waren die Katholische Hauptschule, die sich heute am Großen Griechenmarkt gegenüber der Kaygasse befindet und der berühmte Lehrer Welsch wirklich die Vorlage für das 1938 von der Musikgruppe "Drei Laachduve" verfasste Karnevalslied?
Nachgewiesen ist, dass Welsch nie in einer Schule linksrheinisch, sondern im rechtsrheinischen Kalk unterrichtete. Möglicherweise diente den Autoren des Liedes auch nicht die Hauptschule am Großen Griechenmarkt, die sich heute in unmittelbarer Nähe zur Kaygasse befindet, sondern die Karlschule in Bonn als Inspirationsquelle.
Wenn man früher die Bonner Karlschule erwähnte, wurde häufig von der Caias-Schule gesprochen, wie ein ehemaliger Schüler erzählt. "Von meinem Großvater, der aus Aachen stammt, habe ich erfahren, dass die Karlschule früher im Volksmund Caias-Schule genannt wurde.
Noch heute habe ich Schulhefte, in die mein Großvater mir das Wort Caias schrieb", erzählt Helmut Tillmann. Er besuchte in den 1960er Jahren die Bonner Grundschule und sammelt historische Unterlagen rund um die Karlschule, die im Jahr 2018 ihren 200. Geburtstag feiert. Auch diese Tatsache könnte ein Hinweis dafür sein, dass es sich bei der "steinalten Schule", von der im Lied die Rede ist, um die Karlschule handelt.
Zu Tillmanns historischen Unterlagen gehört auch ein Brief, datiert vom 29. Januar 1930. Darin wendet sich der damalige Hausmeister der Schule namens Hengst an den Schulrat und klagt über das unverschämte Verhalten der Schüler auf dem Schulhof, die mit Fußbällen mehrere Scheiben zertrümmerten: "Der Schulhof der Karlschule ist seit längerer Zeit nachmittags zum Fußballplatz sämtlicher Volksschulen und sogar der höheren Schulen geworden. Fast täglich werde ich von den Damen der Kinderhorte von der Arbeit gerufen, um die fremden Jungen vom Hof zu entfernen. Abgesehen von den Fensterscheiben, die durch das unbeaufsichtigte Spiel zertrümmert werden, muss ich mir bei Räumung des Schulhofes (...) Schimpfwörter gefallen lassen, die in keinem Lexikon zu finden sind", heißt es in dem Brief.
Viele Textstellen im Lied sind deckungsgleich mit den Beschreibungen des Hausmeisters: "Es en Schiev kapott / es ene Müllemer fott / (...) Kütt ene Schutzmann anjerannt" (Ist eine Scheibe kaputt / ist der Mülleimer fort/ (...) kommt ein Schutzmann angerannt). Möglicherweise war es tatsächlich Hausmeister Hengst, der auf dem Schulhof damals für Ordnung sorgen musste und deshalb von den Schülern als "Schutzmann" bezeichnet wurde.
Nach Köln transferiert wurden die sich an der Bonner Karlschule abspielenden Szenen möglicherweise von Lehrer Werner Lenartz, der von 1931 bis 1940 an der Karlschule unterrichtet hatte. Auch Tillmann ist der Name des Lehrers ein Begriff. "Mein Vater, der ebenfalls die Karlschule besuchte, kannte Werner Lenartz persönlich", berichtet er. Während seiner Lehrtätigkeit in Bonn, hatte Lenartz an der Uni Köln studiert. Später war er in der Domstadt als Buchautor tätig und gründete die Kolping-Bücherei. Lenartz, der viele Lausbubenstreiche an der Karlschule selbst erlebt hatte, könnte daher einige dieser Geschichten nach Köln überliefert haben. Waren es letztendlich womöglich die Lausbubenstreiche an der Karlschule in Bonn, die den Autoren als Vorlage des kölschen Liedes "Kayjass Nummer Null" dienten?
Artikel vom 21.02.2012