Die Zeugnisse sind raus: Schulleiter warnt vor vorschneller Nachhilfe

Bonn.  Geschafft, das erste Schulhalbjahr ist um. Gestern gab es für Tausende von Kindern und Jugendlichen auch in Bonn Halbjahreszeugnisse und bei einigen flossen deswegen auch Tränen. Unter ihnen auch welche, deren Noten objektiv gar nicht schlecht sind.
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'Ich bin mit meinen Noten recht zufrieden. Ein bisschen mehr werde ich jetzt für Physik und Latein lernen. Aber ich möchte auch Zeit für meine Familie und Freunde haben.' Verena Thal, 15. Foto: ga

Doch mit der Verkürzung der Schulzeit an Gymnasien von neun auf acht Jahren haben der Leistungsdruck und die Sorgen der Eltern um die Schulkarriere ihrer Sprösslinge enorm zugenommen, weiß Willy Nicolai. Der Direktor des Clara-Schumann-Gymnasiums beobachtet seitdem, dass in aller Regel nach dem ersten Schulhalbjahr die Zahl der Schüler, die Nachhilfe erhalten, rapide nach oben steigt. Auch bei denen, die es aus Sicht des Pädagogen gar nicht nötig hätten.

"Das hat dazu geführt, dass die kommerziellen Nachhilfe-Institute wie Pilze aus dem Boden schießen", sagt er. Da werde mit der Angst der Eltern oftmals ein gutes Geschäft gemacht, ist der Schulleiter überzeugt. Nachhilfe dürfe seiner Meinung nach nur als äußerstes Mittel zum Zuge kommen. Denn eigentlich sollten die Kinder über die Hausaufgaben das Erlernte im ausreichenden Maße trainieren.

Sind die Wissenslücken am Ende doch größer, als sie sein sollten, dann sollten Eltern auf jeden Fall Rücksprache mit den Lehrern ihrer Kinder halten, empfiehlt der Direktor. "Und in den Fällen, wo wir Nachhilfe für sinnvoll halten, vermitteln wir am liebsten unsere Oberstufenschüler, die gut im Stoff drin sind."

Rat und Hilfe bei Zeugnisproblemen sowie bei schulischen Sorgen allgemein bietet auch die Psychologische Beratungsstelle der Stadt Bonn. Die ist freitags allerdings nur von 8 bis 13 Uhr besetzt. Ab Montag ist sie bis donnerstags telefonisch von 7.30 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr zu erreichen % (77 4563 ).

Die Kölner Kollegen sitzen dagegen auch am heutigen Samstag bis 17 Uhr am Zeugnistelefon und beraten auch Schüler und Eltern, die nicht in der Domstadt wohnen, versichert Bernd Kleinken (Telefonnummer 0221/221-29001) mit einem Augenzwinkern.

Wenngleich sich die Problematik rund um das Zeugnis deutlich "entdramatisiert" habe, so der Diplom-Psychologe. "Die Kinder haben heute weniger Angst vor Bestrafung", weiß er, zumal die Notengebung inzwischen transparenter sei als vor Jahren. Als generelles Problem sieht der Experte, dass für immer mehr Eltern nur noch das Abitur als Schulabschluss in Frage komme und viele Kinder dadurch überfordert seien und im schlimmsten Fall die Schule wieder verlassen müssten.

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