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Polizei in Bonn
"Die Personaldecke ist dünn"
Von Ayla Jacob
BONN. Der Altersdurchschnitt der Bonner Polizisten ist zu hoch, die Krankenquote ebenfalls: Die Situation im Wachdienst und der Kriminalwache ist laut Gewerkschaft alarmierend. Auch Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa beschönigt nichts: "Wir sind das dienstälteste Polizeipräsidium in NRW."
Das Durchschnittsalter liege bei 50 Jahren. Die Krankenquote sei hoch, nicht jeder Polizeibeamte könne im Streifendienst eingesetzt werden. "Unter diesen Prämissen ist es schwer, den Schichtdienst aufrechtzuerhalten", findet Brohl-Sowa klare Worte. "Insbesondere in den Urlaubszeiten und in Wochen mit Feiertagen ist die »Personaldecke« sehr dünn."
Besondere Einsätze wie das Deutschlandfest, die Afghanistankonferenz, Demonstrationen, Mordkommissionen und Sondereinsätze wie bei der Brandserie in Bad Godesberg verschärften die Probleme noch.
"Diese Gesamtsituation führt zu nachvollziehbarer Unzufriedenheit bei den Beamten." Es sei jedoch hervorzuheben, dass das Engagement der Kollegen nicht nachlasse. "Das verdient unser aller Respekt."
Die Situation soll sich in Zukunft ändern: Man habe sich in der zurückliegenden Zeit mehrfach mit der "zugegebenermaßen schwierigen Situation auf den Wachen befasst", sagt Helmut Pfau, Leitender Polizeidirektor. In der vergangenen Woche dann sei im Beisein der Polizeipräsidentin, des Personalrats und der Gewerkschaft beschlossen worden, "eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung der Führungskräfte, der Basis, des Personalrats und der Leitstelle einzusetzen. Ziel ist es, die Engpässe auf ein geringst mögliches Maß zurückzuführen", so Pfau.
Doch das ist nicht die einzige Lösungsstrategie. Man setze weiterhin darauf, dass Bonn bei der Neubesetzung mit jungen Kräften berücksichtigt werde. Die Behörde stehe "im ständigen Kontakt mit dem Innenministerium". 2011 habe Bonn "nennenswerten Nachersatz bekommen. Wir sind relativ optimistisch, dass auch dieses Jahr junge Polizeibeamte zu uns stoßen werden."
Die Einstellungszahlen für das Land seien in den vergangenen Jahren sukzessive auf 1400 erhöht worden. "Was schwierig sein wird, ist, das Wissen der erfahrenen Kollegen an die jungen weiterzugeben." Um der hohen Krankenquote zu begegnen, sei das Projekt "Betriebliches Gesundheitsmanagement" gestartet worden.
Wie viele Beamte wann auf welcher Wache im Dienst sind - dazu macht die Polizei aus einsatztaktischen Gründen keine genauen Angaben. Nur so viel: "Es gibt ein Berechnungsmodell, das die Verteilung des Personals regelt", sagt Pfau. Da die tatsächliche Einsatzbelastung mit einberechnet werde, sei gewährleistet, dass "alle Wachbereiche mit ausreichend Streifenwagen und Personal besetzt sind".
Je nach Bedarf gebe es Unterstützung, so auch von Kradgruppen, Diensthundführerstaffel und Bezirksschwerpunktdienst. "Einsätze werden priorisiert", so Pfau. Bei Tätern vor Ort, schweren Unfällen und akuter Gefahr seien innerhalb kürzester Zeit mehrere Streifenwagen am Tatort. So bei einer Schlägerei am Montag um 23.49 Uhr in Godesberg: Innerhalb von sechs Minuten seien fünf Streifenwagen dort gewesen. Es folgten zwei weitere.
Zehn Einsätze pro Stunde:
Bis zu 100.000 Einsätze habe der Wachdienst im Jahr, sagt Udo Schott, Bonner Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Das entspreche 240 bis 250 Einsätzen pro Tag und somit zehn Einsätzen pro Stunde. Auch die Qualität der Einsätze habe sich verändert.
Wegen der hohen Belastung fehle den Beamten häufig die "Ermittlungsruhe", sagt Hermann Josef Borjans, Bonner Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter. Notwendige Sondereinsätze wie die Brandserie in Bad Godesberg führten dazu, dass "Ermittlungsvorgänge zum Teil liegenbleiben".
Artikel vom 02.06.2012
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