Junggesellenabschied

Der letzte Abend in Freiheit - unter der Lupe der Bonner Wissenschaftler

BONN.  Volkskundler des LVR untersuchen den Brauch des Junggesellenabschieds im Rheinland: Der Junggesellenabschied - betrunkene Männer, oder auch Frauen, und alberne Scherze. Das klingt erst einmal nicht nach einem Thema, dem man sich mit wissenschaftlichem Ernst widmen kann.

Mit dem Bauchladen in Köln unterwegs: Zum Junggesellenabschied wird Krimkrams verkauft. Foto: dpa

Für Andrea Graf, Volkskundlerin beim Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte beim Landschaftsverband Rheinland, ist es das doch. Für ein Buch über Hochzeiten im Rheinland, das im Dezember erscheinen soll, erforscht sie den Brauch des Junggesellen- und Junggesellinnenabschieds im Rheinland.

Keine leichte Aufgabe, Graf muss mehr oder weniger bei Null anfangen. "Es gibt dazu im Grunde noch gar keine Literatur", sagt Graf. Aus Mangel an Informationen müsse sie neu anfangen zu sammeln, Interviews führen und Feldforschung betreiben. "Teilnehmende Beobachtung" nennt das die Volkskundlerin. Im Idealfall würde sie gerne eine Gruppe beim Junggesellenabschied begleiten. "In erster Linie geht es mir darum, Interviewpartner zu finden. Im persönlichen Gespräch kann man doch vieles detaillierter erfahren", sagt Graf.

Die Volkskundlerin will unter anderem wissen, warum man den Abschied feiert, was er bedeutet und woher die Teilnehmer ihre Inspiration bekommen. Die Befragten müssten sich auch keine Sorgen machen, dass ihre Berichte veröffentlicht werden. Graf: "Alle Angaben werden anonymisiert, niemand wird mit seinem Namen genannt." Zudem kann man über die Internetseite des Instituts für Landeskunde auch online einen Fragebogen ausfüllen.

Der Mangel an Informationen legt den Schluss nahe, dass es das Phänomen des Junggesellenabschieds noch nicht lange gibt. Und so ist es nach Grafs derzeitiger Einschätzung auch. "Es scheint ein relativ neuer Brauch zu sein, vor den 1990er Jahren gab es das noch nicht in dem Maße", sagt Graf. Sie will auch erforschen, woher der Brauch kommt, ob er gegebenenfalls "medial vermittelt" wurde über amerikanische Filme.

Eine andere Frage wird sein, ob dieser Brauch andere Bräuche wie den Polterabend verdrängt. Und: "Interessant ist auch die Frage, ob es etwas mit regionaler Identität zu tun hat, mit Köln und Düsseldorf scheinen wir hier zwei Hochburgen des Junggesellenabschieds zu haben. Vielleicht liegt es daran, dass die Menschen hier feiernde Leute auf der Straße gewohnt sind. Aber auch das ist bislang nur eine reine These", sagt Graf.

Sie steht noch ganz am Anfang ihrer Forschung. "Nach den Antworten, die ich online bekommen habe, kann ich sagen, dass die Stereotypen nicht stimmen, es wird sehr unterschiedlich gefeiert", sagt Graf. Die einen gehen, wie man das oft sieht, mit dem Bauchladen durch die Stadt und verkaufen Kleinigkeiten, andere machen Planwagenfahrten, gehen essen oder machen einen Wellnesstag. "Es geht nicht immer darum, den Bräutigam oder die Braut bloßzustellen, in erster Linie geht es darum, gemeinsam Spaß zu haben", sagt Graf.

Diese Art des Abschieds zu bewerten, liegt der Volkskundlerin fern, sie betrachtet das Phänomen neutral durch die wissenschaftliche Brille. Graf: "Es ist eine kulturelle Äußerung der Menschen im Alltag, es ist präsent und damit wert, untersucht zu werden."

Kontakt: Der Fragebogen ist im Internet auf www.rheinische-landeskunde.lvr.de zu finden und kann online ausgefüllt werden. Ob aus der Sicht von Braut oder Bräutigam, Trauzeugen oder Freundeskreis, es interessieren alle Perspektiven. Gesucht werden auch Fotos und Videos. Ansprechpartnerin ist Andrea Graf, Abteilung Volkskunde, Telefonnummer 0228/9834262, E-Mail: andrea.graf@lvr.de

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