Der Bonner Sommer steht vor dem Aus

Stadt, Rats- und Bürgermehrheit sind sich einig: Die 40 Jahre alte Open-Air-Veranstaltungsreihe ist zu teuer.

Bonn. Den Bonner Sommer auf dem Marktplatz wird es voraussichtlich nicht mehr geben. Die Stadtverwaltung hatte im Zuge der Bürgerbefragung "Bonn packt's an" den Vorschlag gemacht, das 40 Jahre alte Kultur- und Musikevent aus Kostengründen zu streichen. 690 Teilnehmer folgten bei 629 Gegenstimmen diesem Vorschlag.

Und wie es aussieht, wird auch die Ratsmehrheit dem Votum wohl folgen, zumal der CDU beim Durchforsten des Haushalts vor allem die Kosten für die Unterbringung der Bonner-Sommer-Bühne außerhalb der Saison aufgestoßen ist. "90 000 Euro muss die Stadt für die Lagerung ausgeben", sagte am Miontag der kulturpolitische Sprecher Markus Schuck. "Das ist für uns rausgeschmissenes Geld, das man statt dessen den freien Trägern in der Bonner Kultur zukommen lassen sollte."

Nach Auskunft der Stadt muss das Kultur- dem Marktamt pro Jahr diese 90 000 Euro rüberschieben. "Damit werden die jährlichen Investitionskosten der Halle gedeckt", sagte Monika Frömbgen vom Presseamt.

Die Halle wurde Mitte der 1980er Jahre eigens für die Unterbringung der Bühne gebaut, die ursprünglich für den Weihnachtsmarkt vorgesehen war, später aber zusätzlich und dann ausschließlich für den Bonner Sommer verwendet wurde.

Das für Steuerzahler merkwürdige Verschieben von Geld von einem zum anderen städtischen Amt erklärte Frömbgen damit, dass das Marktamt sich aus Gebühren finanziere.

Die Umsonst-und-draußen-Veranstaltungsreihe Bonner Sommer kostet aber noch mehr: Neben der Hallenmiete würden laut Frömbgen weitere 10 000 Euro für die Unterhaltung der Bühne sowie 84 000 Euro für die Bühnentechnik und das künstlerische Programm fällig. Die Mittel für die Künstler will Schwarz-Grün erhalten, sie aber nicht nur den freien Trägern zukommen lassen, sondern auch einer von der Stadt geplanten Veranstaltungsreihe, die sich "Grenzüberschreitung" nennt.

Dieses Kulturprojekt wird die Stadt 35 000 Euro kosten, weitere 35 000 würde der Landschaftsverband Rheinland zuschießen. Bei "Grenzüberschreitungen" gehe es um Projektpartnerschaften Bonns mit Städten mehrerer Kontinente, "die auf Arbeitsebene stattfinden und vor allem auf die Sektoren Kultur, Jugend und Umwelt ausgerichtet sind", teilte die Verwaltung vergangene Woche im Kulturausschuss mit.

"Um die kulturellen Beziehungen mit den genannten Städten zu entwickeln und längerfristig auszubauen, sollen von Juni bis Dezember 2011 Dialogveranstaltungen in Bonn und den beteiligten Städten stattfinden", hieß es.

Dazu sollen internationale Künstler und Ensembles unter anderem ihre Produktionen in Bonn zeigen - in öffentlichen Gebäuden und eben auch auf Plätzen wie dem Markt. Die dafür benötigte Bühne will die Stadt künftig anmieten - was allerdings ebenfalls nicht günstig sein wird. Ein Bühnenverleiher sagte dem GA: "Für eine vergleichbar große Bühne, wie sie bislang für den Bonner Sommer im Einsatz war, muss man samt Technik durchschnittlich 3 000 Euro pro Tag zahlen."

Am 1. Juni wird sich der Kulturausschuss noch mal mit dem Bonner Sommer befassen. Es könnte das letzte Mal sein.

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