Dem Terrorismus den Boden entziehen | GA-Bonn

Dem Terrorismus den Boden entziehen

Auf Einladung der Stiftung Aloisiuskolleg war ZDF-Terrorismus-Experte Elmar Theveßen zu Gast - Für ihn stellen nicht nur die Hassprediger eine Bedrohung dar

Bad Godesberg. Der Mann nennt sich an diesem Abend selbst augenzwinkernd "den Terrorismusfritzen des ZDF". Pater Theo Schneider, Rektor und gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der einladenden Stiftung des Aloisiuskollegs (Ako), lobt den Gast als einen Politjournalisten, der komplexe Zusammenhänge in eineinhalb Minuten auf den Punkt bringe.

Klar, dass die meist jugendlichen Zuhörer in der gut gefüllten Kollegskirche im Angesicht des ZDF-bekannten Elmar Theveßen erst mal in Ehrfurcht erstarren. Zumal der TV-Profi natürlich auch in längerer Form, didaktisch geschickt aufgebaut und mit allen journalistischen Mitteln gewappnet, beeindruckt.

In einem Parforceritt zieht er den leider logischen Bogen vom blutigen 11. September am World Trade Center bis zum jungen deutschen Möchtegern-Terror-Bomber Daniel Schneider, der den Sicherheitsbehörden 2007 im Sauerland ins Netz ging.

"Ist auch Deutschland im Visier des vom Jihad, des von fundamental-islamistischen Terroristen geführten Heiligen Kriegs?", heißt das hochbrisante Thema. Und als die Manege freigegeben wird, laufen sich die Zuhörer nach ein paar Höflichkeitsfragen langsam warm.

Wo die Gefahr für uns genau bestehe?, wird unter der Moderation der Schüler Mauritz Oettler und Philipp Breuer gefragt. "Erstens da, wo man uns leichter treffen kann: bei den Soldaten in Afghanistan", antwortet der Journalist. Aber er sei sich wie die Behörden sicher, dass wir auch hierzulande mit Anschlägen rechnen müssten, auf die jedoch mit der höchst möglichen Gelassenheit regiert werden sollte.

Generell seien 32 000 Personen vom hiesigen Verfassungsschutz als extremistisch geführt. Davon hätten die Sicherheitskräfte derzeit drei Dutzend potenzielle islamistische Selbstmordattentäter im Blick, von denen einige Terror-Ausbildungslager in Pakistan durchliefen. "Aber wissen wir, dass das alle sind?" Ob man nicht etwas dagegen tun könne, bewegt die Schüler. "Unsere Polizei kann das nicht verhindern. Bei diesen gefährdeten jungen Leuten müssen Eltern, Freunde, Nachbarn an den Weggabelungen stehen und sie effektiver überzeugen", wirbt Theveßen.

Nebenbei weist er aber darauf hin, dass Gefahr seiner Meinung nach nicht nur von extremistischen Hasspredigern, sondern schon von der vom saudischen Staat in ihren westeuropäischen Kulturzentren verteilten Koranversion ausgehe.

"In den da angehängten Fußnoten wird eindeutig Gewalt gerechtfertigt", erklärt der Terrorexperte und reicht ein Exemplar herum. Die König-Fahd-Akademie in Lannesdorf werde ja von den Saudis finanziert, fügt er hinzu.

Terror entstehe jedoch bei einer steigenden Zahl junger Muslime aus persönlich so wahrgenommener wirtschaftlicher und sozialer Benachteiligung sowie aus einer Außenpolitik mit Doppelmoral. "Wir müssen unsere Welt unbedingt gerechter hinbekommen und damit dem Terrorismus den Boden entziehen."

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