Bonns "Herr des Wassers" geht

Bonn.  Sein ganzes Berufsleben war von Wasser bestimmt: Egal, ob im Rhein, in der Sieg, im Kanal oder in Kläranlagen. Nun geht Werner Baur in den Ruhestand.
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Werner Baur ist Experte für Hochwasserschutz.
												Foto: Holger Willcke

Werner Baur ist Experte für Hochwasserschutz. Foto: Holger Willcke

Werner Baur vertrat die Stadt Bonn in vielen Gremien, was ihm den Spitznamen Hochwasser-Papst einbrachte. Nun ist Schluss. Baur verlässt am Freitag die Kommandobrücke im Stadthaus und geht in Ruhestand.

Werner Baur hat stets versucht, das flüssige Element in Schach zu halten. In der Wahl der Mittel war er einfallsreich: Deiche, Dämme, Rückhaltebecken und Staumauern setzte Baur in all seinen Berufsjahren ein, um dem Wasser Herr zu werden. Allerdings, wenn das Wasser in Form von Naturkatastrophen auf Bonn prallte, dann kam auch er ins Schwitzen.

So geschehen bei den beiden sogenannten Jahrhundert-Hochwassern im Dezember 1993 und im Januar 1995. "Damals reichte unser Hochwasserschutz am Rhein bis 9,50 Meter Bonner Pegel. Keiner hat damit gerechnet, dass der Rhein jemals höher stehen wird. Wir haben uns alle geirrt", erinnert sich Baur. 1993 stand der Pegel bei 10,13 Meter, 13 Monate später bei 10,08 Meter. In Bonn herrschte der Ausnahmezustand. Viele Menschen wurden über Tage von Booten aus mit Lebensmitteln versorgt.

Auf Drängen von Baur und seinen Kollegen beschloss der Stadtrat ein neues Hochwasserschutzkonzept. 11,18 Meter legten die Experten als erforderliche Schutzhöhe fest, was statistisch bedeutet: Nur alle 200 Jahre wird dieser Pegelstand in Bonn erreicht.

Als er über diese Werte spricht, steht Baur am Rheinufer und schüttelt den Kopf: "Unvorstellbar nicht wahr? Jetzt messen wir 1,07 Meter Bonner Pegel. So einen niedrigen Wasserstand des Rheins habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen." Das bedeute, dass der Rhein zehn Meter höher fließen könnte, ohne dass die Mehrzahl der Bonner nasse Füße bekäme. Auf die Frage, ob Bonn jetzt gut gegen Hochwasser gerüstet sei, antwortet Baur: "Auf jeden Fall. Die Stadt hat viel Geld in den Hochwasserschutz investiert und kann nun beruhigter in die Zukunft blicken."

 Das dicke Zahlenwerk, das Baur in Händen hält, beweist: Seit seinem Dienstantritt 1986 in Bonn hat die Stadt bis heute fast 25 Millionen Euro in den Gewässer- und Hochwasserschutz investiert. Hinzu kommen mehr als 345 Millionen Euro für die Modernisierung des Bonner Kanalnetzes.

Und damit ist noch lange nicht Schluss: Der Siegdeich soll 2012 zwischen L 16 und Wasserwerk Meindorf um 30 Zentimeter erhöht werden, damit auch dort eine Schutzhöhe von 11,18 Meter erreicht wird. Als letztes Großprojekt bezeichnet Baur den Hochwasserschutz für Graurheindorf.

"Wir haben jetzt die Verwaltungsvorlage für die politische Entscheidung vorbereitet. Die Gremien des Stadtrates müssen zwischen drei Varianten entscheiden", so Baur. Und in Beuel fehlt noch die sogenannte zweite Deichverteidigungslinie. Will heißen: Zwischen Brückenkopf und Josefskirche soll eine feste Wand entlang der Gärten zwischen Agnesstraße und Hermannstraße gebaut werden. 

Zur Person
  • Werner Baur wurde im Juni 1949 in Küdinghoven geboren. 1971 trat er seine erste Arbeitsstelle in einem Statikbüro in Beuel an, ehe er in die Stadtverwaltung wechselte. Bis zu seiner Pensionierung arbeitete er als Sachgebietsleiter für Abwasserableitung bei der Stadt Bonn. Er ist verheiratet mit Ehefrau Elisabeth und hat zwei Kinder und zwei Enkel. Heute wohnt er in Menden.

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