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Armin Sengbusch und Tilman Döring gewinnen Poetry-Slam-Finale
Von Alexander Barth
Das Nyx ist zum Bersten gefüllt, 100 Augenpaare verfolgen gebannt Tilman Döring, der dümmlich grinsend auf der Bühne steht. "Meine Mutter heißt JPEG und mein Vater Canon", stößt er hervor und leiert starr grinsend weiter: "Ich bin ein Foto. Scheiße."
Bonn. Das Nyx ist zum Bersten gefüllt, 100 Augenpaare verfolgen gebannt Tilman Döring, der dümmlich grinsend auf der Bühne steht. "Meine Mutter heißt JPEG und mein Vater Canon", stößt er hervor und leiert starr grinsend weiter: "Ich bin ein Foto. Scheiße."
Das Publikum reagiert mit Gelächter und es gehen Blumen in die Höhe, denn in der Kneipe findet das Stadtfinale des Bonner Dichterwettstreits "Rosenkrieg" statt. Der Poetry-Slam wird seit zehn Jahren vom Moderatoren-Duo Florian Müller und Florian Graf von Hinten monatlich ausgerichtet.
Die Wettbewerber ringen dabei in jeweils fünfminütigen Darbietungen um die Gunst der Zuhörer, die nach jeder Runde mit Hilfe der zuvor verteilten Rosen abstimmen. Sieben Künstler, allesamt Gewinner vorheriger Slams, traten am Sonntagabend an, um sich mit Sprachgewalt und Wortwitz gegen ihre Dichterkollegen durchzusetzen.
Tilman Döring entscheidet die Vorrunde klar für sich, 92 Rosen gehen für den Darmstädter in die Höhe. Seine Kontrahenten lassen sich jedoch nicht lumpen. Armin "Schriftstehler" Sengbusch aus Hamburg beklagt in seinem Beitrag "Kommunikationsprobleme" eine gestörte Beziehung und brilliert dabei mit sprachlicher Finesse. "Vielleicht verstehst du mich, wenn ich rückwärts spreche?", lässt er seinen Protagonisten mutmaßen und gibt sodann einige unverständliche Sätze zum Besten - es klingt wie ein rückwärts abgespultes Band.
Singen ist beim Rosenkrieg nicht erlaubt, dafür haben sich "Florian und Florian" etwas Besonderes für das Finale überlegt: Vier Freiwillige aus dem Publikum treten im Karaoke gegeneinander an und sorgen so für Auflockerung zwischen den Runden. Politische Satire präsentiert der Bonner Slammer David Meiländer. Im Finale stehen sich schließlich Armin Sengbusch und Tilman Döhring gegenüber.
Beide punkten beim Publikum, Armin mit romantischer Gesellschaftskritik, die er am einsamen Großstädter illustriert: Über "Leichen, die leben, und sich ungestraft bewegen" klagt er und dass man Kindheit nicht bei Ikea kaufen könne.
Tilman Döhring kontert mit zwei Gedichten, darunter "Locker bleiben", ein genervtes Resümée über gut gemeinte Ratschläge von "geh eine Runde spazieren" bis hin zu "sei einfach du selbst". Am Ende gibt es zwei Sieger, denn der "Schriftstehler" überlässt seinen mit knappem Vorsprung errungenen Startplatz für die deutschen Meisterschaften seinem jüngeren Kollegen - er selbst hat sich bereits auf anderem Wege qualifiziert.
Der "Rosenkrieg" Poetry-Slam im Nyx, Vorgebirgsstraße 19, geht nach einer Sommerpause am 29. September weiter.
Artikel vom 25.05.2010
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