- Home
- Bonn
- Region
- News
- Sport
- Familie
- Wetter
- Verkehr
- Freizeit
- Anzeigen
- Abo
- Dialog
"Südstadtmord"
Angeklagte als Mörderin verurteilt
Von Benjamin Jeschor
BONN. Ein spektakuläres Ende hat am Freitag der zweite Prozess um den sogenannten Südstadtmord an einer vermögenden 56-Jährigen genommen: Die inzwischen 59 Jahre alte Angeklagte wurde nicht wie von der Staatsanwältin beantragt wegen Totschlags verurteilt, aber auch nicht wie vom Verteidiger gefordert freigesprochen.
Prozessauftakt am 2. Februar 2012: Als der Fall neu aufgerollt wird, betritt die Angeklagte rückwärts gehend den Gerichtssaal, um ihr Gesicht vor Fotografen und Kameraleuten zu verbergen. Ein Wachtmeister führt sie zum Platz neben ihrem Anwalt. Foto: Frommann
Die Richter der 1. Großen Strafkammer kamen vielmehr zu dem Schluss, dass die Angeklagte sich des Mordes zur Verdeckung einer Straftat schuldig gemacht hat und für siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis muss. Da die Tat laut Urteil im Affekt geschehen ist, wurde von einer verminderten Schuldfähigkeit ausgegangen, der Strafrahmen daher gemildert.
Am späten Abend des 31. Januar 2010 war die 59-Jährige nach Meinung der Richter mit einer Millionärin in deren Gründerzeitvilla in der Südstadt in Streit geraten. Der genaue Grund konnte nicht geklärt werden. Gegen 22 Uhr hatte das spätere Opfer wohl mit einem Obstmesser in der Hand vor der Angeklagten gestanden. Dann sei die Situation eskaliert. Im Affekt hat die Täterin dann laut Urteil mit einem schweren Gegenstand gegen den Kopf der Bekannten geschlagen.
Das Opfer war stark blutend zu Boden gegangen. Anschließend war die Millionärin mit einem Messer am Hals verletzt worden. Die immer noch lebende 56-Jährige wurde dann ins Esszimmer gezogen, so der Vorsitzende Richter Hinrich des Vries. Dort hatte die Mörderin laut Urteil zunächst mit einer Tonschale auf das Opfer eingeschlagen und es dann mit einer Tischdecke erstickt.
Etwa zwei Stunden nach der Tat war die Angeklagte nach Meinung der Kammer in die Wohnung zurückgekehrt. Um 0.17 Uhr hatte sie den Notruf gewählt und behauptet, sie habe ihre Bekannte gerade gefunden und versuche, die 56-Jährige zu reanimieren.
Das Motiv sehen die Richter in der "äußerst angespannten finanziellen Situation" der Angeklagten. Ohne Erlaubnis des Opfers hatte sich die 59-Jährige laut Urteil insgesamt 18.400 Euro von deren Konto abgehoben. Die Kammer geht davon aus, dass die als Lebensberaterin für die 56-Jährige tätige Mörderin berechtigte Honorarforderungen von etwa 9000 Euro hatte - das spätere Opfer diese Summe aber offenbar nicht bezahlen wollte. Daraufhin hatte sich die laut Urteil 59-Jährige Mitte Januar dazu entschlossen, sich das Geld selber zu holen.
In der Bank hatte sich die Angeklagte als die Millionärin ausgegeben und laut einem Gutachten des Landeskriminalamtes deren Unterschrift gefälscht. Dadurch habe sie sich in eine "missliche Lage" gebracht, für die sie keine Lösung wusste, so de Vries. Daher habe sie erst einmal versucht, Zeit zu gewinnen, indem sie die Millionärin in den Tagen vor der Tat regelrecht kontrolliert und abgeschirmt hatte.
Der zweite Prozess hatte Anfang Februar dieses Jahres begonnen. An 28 Verhandlungstagen waren 45 Zeugen und elf Sachverständige gehört worden. Die Angeklagte hatte sich nur im Letzten Wort geäußert und betont, "völlig unschuldig" zu sein.
Der erste Indizienprozess gegen die schwer erkrankte 59-Jährige hatte im Oktober mit einem Freispruch geendet. Dagegen war die Staatsanwaltschaft erfolgreich vorgegangen. Der Bundesgerichtshof hatte den Freispruch aufgrund eines Begründungsmangels aufgehoben. Nun wird vermutlich die Verteidigung Revision einlegen.
Artikel vom 11.08.2012
Leserfavoriten
- Von Sonntag bis Montag Wetterdienst warnt vor ergiebigem Regen in Bonn und der Region
- Ludwig-Erhard-Allee Mehrere Leichtverletzte bei Auffahrunfall
- Bonner Innenstadt Kradfahrer bei Unfall verletzt
- Wetter in Bonn und der Region Viel Regen und mäßige Temperaturen an Pfingsten
- Pilotversuch Telekom prüft Verzicht auf feste Leitungen
- Ladkreis Neuwied Motorradfahrer prallt gegen Felswand und stirbt
- 150.000 Euro Schaden Feuer in der Altstadt von Andernach
- Neunkirchen-Seelscheid 19-Jähriger rast gegen Baum und Laterne - zwei Schwerverletzte
- Rhein-Erft-Kreis 49-Jähriger nach Streit von Auto umgefahren
- Königswinter Vorfahrt missachtet: Hoher Sachschaden
- Telekom Baskets 80:89 in Oldenburg - Bonn scheidet in den Play-offs aus
- 1. FC Köln Eichin: Stanislawski-Rücktritt hat nichts mit Werder zu tun
- 1. FC Köln 3:0 - Geißböcke gewinnen in Ingolstadt
- 1. FC Köln Holger Stanislawski verlässt Geißböcke zum Saisonende
- Telekom Baskets Bonn In Oldenburg mehr als 600 Fans im Rücken


