4500 Demonstranten ziehen durch Bonn

Polizei und Veranstalter der Gegendemonstration ziehen eine positive Bilanz. Christian Ströbele wurde bei seiner Rede mit Eiern beworfen.
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Abmarsch am Kaiserplatz: Hinter den Demonstranten ist in der Ferne das Poppelsdorfer Schloß zu sehen.
											Foto: Volker Lannert

Abmarsch am Kaiserplatz: Hinter den Demonstranten ist in der Ferne das Poppelsdorfer Schloß zu sehen. Foto: Volker Lannert

BONN. Die Demonstration anlässlich der Afghanistan-Konferenz, die am Samstag durch Bonn gezogen ist, war genau so, wie Organisator Mani Stenner vom Netzwerk Friedenskooperative sie sich gewünscht hatte: "Bunt, jung, friedlich und mit verschiedenen politischen Gruppierungen, von Pazifisten bis zu Radikaleren", sagte Stenner, nachdem der Protestzug gegen 14.40 Uhr wieder an seinem Ausgangpunkt, dem Kaiserplatz, angekommen war.

Lediglich bengalische Feuer und Farbbeutel - unter anderem mit Farbe gefüllte Eier - hatten für Aufregung gesorgt: Die beiden Feuer wurden gegen 13.40 Uhr in der Altstadt abgebrannt.

Dort flogen auch die roten Farbbeutel in Richtung der sächsischen Polizisten, die ihre Kollegen aus NRW unterstützten. Bei der Abschlusskundgebung auf dem Kaiserplatz ereilte Redner Christian Ströbele (Grüne) gegen 15.50 Uhr das gleiche Schicksal. Er wurde beworfen und im Gesicht getroffen. Wer geworfen hat, ist nicht klar, die Polizei ermittelt gegen unbekannt. Ströbele ließ sich nicht beeindrucken: Nach einer kurzen Bemerkung setzte er seine Rede fort. Ans Mikrofon trat auch Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion im Bundestag.

Die Polizei zog insgesamt eine positive Bilanz. Laut Stenner waren im Verlauf des Tages rund 4 500 Demonstranten unterwegs, die sich ab 11.30 Uhr auf dem Kaiserplatz versammelt hatten. Bunte Fahnen mit "Pace"-Aufdruck, von DKP, Verdi, Die Linke oder Pax Christi wehten über den Köpfen. Die Hip-Hop-Band "Microphone Mafia" sorgte für gute Stimmung, überzeugte nicht nur die Demonstranten, sondern auch einige Polizisten, die (wenn auch etwas verhalten) im Takt mitwippten. Pünktlich um 12.30 Uhr setzten sich die Demonstranten dann in Bewegung.

Zunächst ging es über Am Neutor, Rathausgasse und Belderberg zum Bertha-von-Suttner-Platz. Dort wurde der Zug vor dem Jugendblock, der mit einem Wagen unterwegs war, getrennt. Zu Spitzenzeiten waren beide Teile der Demonstration gut 300 Meter weit voneinander entfernt. Der Jugendblock schloss auf, und der Zug zog durch die Altstadt vorbei am Hauptbahnhof zurück zum Kaiserplatz. Bonn habe sich wieder als "tolle Demostadt" gezeigt, sagte Stenner, der seit mehr als 30 Jahren Friedensdemos in Bonn organisiert. "Ich bin froh, dass wir an die alte Tradition anknüpfen konnten. Das ist gut für meine Stadt."

Viele Passanten blieben stehen und beobachteten den Protest. Niemand fühlte sich belästigt. "Ich finde das gut. Ich habe zwar nicht gedacht, dass es so viele werden, aber es scheint alles friedlich zu sein. Es stört nicht. Im Gegenteil", sagte Jacqueline Heisters. Maria, die ihren Nachnamen nicht verraten wollte, sagte: "Die Leute haben ein Recht darauf, dass sie demonstrieren. Krawalle möchte keiner. Aber wenn es eine demokratische Demonstration ist, ist das okay. Es ist keine Beeinträchtigung." Dieter Büchner merkte an: "Es ist ein wenig beängstigend, wenn sie so abgeschottet sind."

Auch Vermummung lehnt er ab. Er lasse sich von der Demo nicht davon abbringen, nach Bonn zu fahren. Das hatten sich wohl viele gedacht. Auf dem Weihnachtsmarkt war genauso viel los wie immer, waren sich die meisten Händler einig. "So lange sie draußen alle Sachen stehen lassen und es friedlich ist, finde ich das völlig in Ordnung", sagte eine Mitarbeiterin des Blumenladens "Die Blüte". Flaute am Kaiserplatz: "Nur vier Kunden pro Stunde", hieß es aus der Hofgarten-Apotheke. Bei Vollmar fiel die Auswertung deutlicher aus. "Das ist richtiggehend geschäftsschädigend. Es ist ein äußerst ungünstiger Zeitpunkt und ein äußerst ungünstiger Ort. Es kommen keine Kunden."

Probleme hatten die Gäste eines Paares, das sich um 14.30 Uhr in der Marienkirche an der Adolfstraße das Ja-Wort geben wollte. Doch laut Polizei sorgten die Beamten dafür, dass Braut, Bräutigam und die Hochzeitsgesellschaft pünktlich in die Kirche kamen. Und obendrauf gab es noch einen Polizeibären als Geschenk.

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