Bonner Münster: 17 Glockenschläge für die heilige Helena | GA-Bonn

Bonner Münster

17 Glockenschläge für die heilige Helena

BONN.  Das Münster ist während der Helena-Festwoche in buntes Licht getaucht. Am Samstag Tag der offenen Tür. Nur an sehr wenigen Tagen läuten alle Glocken des Bonner Münsters gemeinsam. Am Freitag war so ein Tag. Um 17 Uhr ging es los mit 17 Glockenschlägen.
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Farbenspiel im Münster: In buntes Licht getaucht ist die Basilika am Münsterplatz während der Helena-Woche. Angestrahlt werden auch die einzelnen Helena-Darstellungen. Foto: Max Malsch

Danach läuteten die Helena-Glocke und die Cassius-Florentius-Malusius-Glocke, dann das Zimbelgeläut und die Donatus-Agatha-Glocke, bevor sich die Maria-Clemens-Glocke in Bewegung setzte. So läutete Bonn die Helena-Festwoche ein, die anlässlich der Übertragung einer Reliquie der Heiligen aus dem Trierer Dom nach Bonn stattfindet.

Mit den 17 Glockenschlägen um 17 Uhr am 17. August sollte laut dem Katholischen Stadtdekanat Bonn an "den ersten legendären Besuch der Kaiserin vor 1700 Jahren" erinnert werden. Helena gilt als die Stifterin der ersten Kirche über den Gräbern der Bonner Patrone Cassius und Florentius. Doch was weiß man über die Heilige wirklich? "Es gibt keinen Hinweis darauf, dass sie in Bonn war", sagt Professorin Sabine Schrenk vom Institut für Kunstgeschichte und Archäologie der Universität Bonn, Abteilung Christliche Archäologie.

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Und: "Dass sie die erste Bonner Kirche gegründet hat, ist pure Legende und lässt sich bis heute nicht bestätigen." Tatsächlich gebe es Hinweise darauf, dass dies eher unwahrscheinlich ist. Dort, wo heute das Münster steht, habe man eine cella memoriae, einen kleinen Gedächtnisraum gefunden. Die habe es auch in der Paganenreligion gegeben. "Die Forschung ist sich einig, dass diese cella memoriae nicht in einem Zusammenhang mit früher christlicher Nutzung steht".

Immerhin: "Dass sie die Mutter von Kaiser Konstantin war, daran muss man nicht zweifeln", so die Professorin. Kontroverser diskutiert werde in der Fachwelt hingegen das tatsächliche Verhältnis Helenas und Konstantins zur christlichen Religion. "Es geht die Geschichte, dass Helena unheimlich viele Kirchen gestiftet hat", sagt Schrenk.

Dies sei aber weniger verbürgt als vielmehr Schlussfolgerung ihrer Lebensgeschichte. "Sie muss sehr aktiv gewesen sein." Und als "Augusta", als Kaiserin, ein Titel, den ihr Sohn Konstantin verlieh, verfügte sie über viel Geld. "An ihrer Fahrt nach Israel muss etwas dran sein", sagt Schrenk.

Ob sie dort jedoch das Kreuz und Grab Jesu fand und daraufhin die Grabeskirche stiftete, stehe auf einem anderen Blatt. "Vieles ist einfach nicht wiederlegbar", sagt Schrenk. Im Jahr 1135 kamen erstmals Reliquien der heiligen Helena nach Bonn, der Schrein wurde aber im 16. Jahrhundert geplündert.

Die Idee, erneut eine Helenareliquie nach Bonn zu holen, kam auf, als man sich Gedanken zum Jubiläum anlässlich der ersten Ankunft einer Helena-Reliquie gemacht habe, so Reinhard Sentis, Sprecher des Stadtdekanats. Vor drei Jahren habe Stadtdechant Wilfried Schumacher einen entsprechenden Antrag gestellt. Nicht alle seien damals begeistert gewesen, erinnert sich Sentis. Auch wenn die Reliquie nur fingernagelgroß ist. "Doch mittlerweile sind die größten Bedenkenträger am meisten begeistert."

Das Programm
Samstag: Ab 10 Uhr findet eine Festmesse in der Münster-Basilika statt. Im Anschluss ab 11 Uhr wird der Gerhard-von Are-Brunnen geweiht sowie der neue Eingang zum Kreuzgang des Münsters gesegnet. Ab 12 Uhr wird das Helenafest rund um das Münster gefeiert mit einem Tag der Offenen Tür im Münster-Carré.

Sonntag, 19. August: Im Anschluss an die Heilige Messe um 10 Uhr gibt es eine geistliche Führung zum Thema "Helena im Münster" mit Stadtdechant Wilfried Schumacher. Eine weitere Führung zum Thema gibt es nach der Heiligen Messe, die um 18.30 Uhr beginnt. Nach der Messe um 12 Uhr sind zudem alle zu einem Umtrunk im Kreuzgang eingeladen, die am 18. August Namenstag haben (übrigens auch Ilka, Ilona, Lena, Marlene, Nele und Olga).

Mittwoch, 22. August: Vortrag von Schwester Lea Ackermann, Vorsitzende und Gründerin des Hilfswerks Solwodi um 19.30 Uhr im Münster-Carré: "Mitten unter uns. Moderne Schicksalsgenossinnen der Heiligen Helena".

Donnerstag, 23. August: Reliquien, Plastinate, Fan-Artikel. Eine Kontinuitätsgeschichte? Vortrag von Professor Hubertus Lutterbach, Uni Duisburg-Essen. Gangolfsaal, 19.30 Uhr. Ab 21.30 Uhr in der Basilika: Nachtmusik - Orgel trifft Altstimme.

Freitag, 24. August: Pontifikalamt. Übertragung der Reliquie der heiligen Helena mit Joachim Kardinal Meisner. 18 Uhr. Anschließend Empfang im Münster-Carré.

Samstag, 25. August: "Unter dem Heiligen Rock. Ein theatrales Ereignis zur Heiligen Helena." Frauenmuseum, Im Krausfeld 10, 17 Uhr.

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