Die Quittung gibt es bei der nächsten Wahl

Reaktionen zum Bericht "Schäuble enttäuscht Mütter" vom 10. Dezember sowie zu Leserbriefen über dieses Thema
Unterschiede in der Rentenberechnung: Für Kinder, die ab 1992 geboren wurden, werden drei Lebensjahre als Kindererziehungszeit anerkannt, vor 1992 ist es dagegen nur ein Jahr.  FOTO: AP
Unterschiede in der Rentenberechnung: Für Kinder, die ab 1992 geboren wurden, werden drei Lebensjahre als Kindererziehungszeit anerkannt, vor 1992 ist es dagegen nur ein Jahr. FOTO: AP

Für Herrn Schäuble scheint Griechenland wichtiger zu sein als die Mütter in Deutschland, die ihre Kinder schon vor 1992 auf die Welt brachten. Ich bin erstaunt und gleichzeitig empört, wenn Herr Schäuble erklärt, Geld aus dem Haushalt stehe nicht zur Verfügung, weil die Bundesregierung zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit "jeden Euro dringend für Ausgaben in Bildung, in Infrastruktur und in Forschung verwenden müsse".

Ansonsten breche uns "die Basis unseres Wohlstands unter den Füßen weg". Ein starkes Stück! Erst haben wir Kinder bekommen, die den von uns unter großen Entbehrungen mit erarbeiteten Wohlstand heute verwalten und Rentenbeiträge zahlen, aber wenn wir Gerechtigkeit bei unseren Renten wollen, gefährden wir angeblich diesen Wohlstand. Geld gibt es nur für die griechischen Banker!

Ich möchte aber darauf aufmerksam machen, dass es die Frauen Union und die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands waren, die zuerst auf dieser Ungerechtigkeit bei der "Mütterrente" aufmerksam machten, also hauptsächlich die CDU/CSU-Frauen. Andere Parteien oder ihre Frauenorganisationen, wenn es sie überhaupt noch gibt, haben sich nicht geäußert. Ist es nun schon Wahltaktik? Unabhängig von den Wahlen geht es hier um Gerechtigkeit!

Marketta Pfister, Alfter

 

Vor einigen Tagen wurde der Ausdruck "Rettungsroutine" zum Wort des Jahres 2012 gekürt. Wenn jemand Rettungsroutine hat, dann sind es Mütter. Sie verbringen ihre Zeit damit, ihre Kinder einigermaßen sicher durchs Leben zu führen und stellen dann im Alter fest, dass ihre Rente unter dem Existenzminimum liegt.

Arme Mütter! Niemand rettet sie. Sie werden sich wohl wie einst Münchhausen an den eigenen (grauen) Haaren aus dem Sumpf ziehen müssen.

Rita Fazli, Swisttal

 

Auch ich gehöre zu der Generation von Müttern, die das "Pech" hatten, drei Kinder vor diesem magischen Datum 1992 bekommen zu haben, heute inzwischen alle Beitragszahler. Keiner kann ernsthaft annehmen, dass es früher einfacher war, Kinder großzuziehen, und es grenzt schon an Zynismus, wenn Herr Schäuble die Griechenlandhilfe als Hindernis anführt, um hier für ausgleichende Gerechtigkeit zu sorgen. Selbst Sozialrichter wundern sich, dass es noch nicht zu einer Massenklage gekommen ist, was wiederum für die "Leidensfähigkeit" der Mütter spricht, die keine Lobby haben.

Mit schöner Regelmäßigkeit bemängeln Steuerzahlerbund und Bundesrechnungshof unsinnige Ausgaben in Milliardenhöhe, es ist also Geld da, man muss es nur sinnvoll einsetzen, da sollten auch Mütter berücksichtigt werden. Man kann nur hoffen dass die Frauen, die derselben Partei angehören wie unser Finanzminister, nicht aufgeben und sich für eine längst überfällige Gesetzesänderung einsetzen.

Im nächsten Jahr sind Wahlen, und dann ist da ja auch noch das Bundesverfassungsgericht, dass leider immer häufiger angerufen wird, um die Fehler der Politik zu korrigieren.

Judith Schaarschmidt, Bonn

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