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Martina Pötschke-Langer: "Sinnvoll ist nur Verbot ohne Ausnahmen"

Die Krebsforscherin zum Rauchverbot in Kneipen

Bonn. Kritik am Nichtraucherschutzgesetz für NRW übt die Medizinerin Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Mit ihr sprach Dominik Pieper.

Martina Pötschke-Langer. Foto: dpa

Martina Pötschke-Langer. Foto: dpa

General-Anzeiger: Schützt das neue Gesetz in NRW die Nichtraucher in der Gastronomie ausreichend?

Pötschke-Langer: Nein. Sinnvoll ist nur eine komplett rauchfreie Gastronomie ohne Ausnahmen. Messungen belegen, dass die Raumluft in Gastronomiebetrieben mit giftigen, krebserzeugenden Substanzen aus dem Tabakrauch sehr belastet ist. Es geht nicht nur um den Schutz von Gästen, sondern auch um die Beschäftigten. Bei diesen besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für Lungenkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wenn sie dauerhaft dem Rauch ausgesetzt sind.

GA: Das heißt, das Gesetz ist ein fauler Kompromiss?

Pötschke-Langer: Es hätte internationalen Standards genügen müssen, wie sie von der Weltgesundheitsorganisation WHO und über 150 Mitgliedstaaten festgelegt wurden - auch von Deutschland. Da sind sich alle einig, dass man hundertprozentige Rauchfreiheit für öffentlich zugängliche Bereiche will. Doch das lässt sich hierzulande wegen der starken Tabak-Lobby nicht umsetzen.

GA: Wären innovative Absauganlagen keine Möglichkeit, für reine Luft zu sorgen?

Pötschke-Langer: Solche Anlagen sind kein Ersatz für rauchfreie Regelungen, da sie krebserregende Substanzen nicht vollständig entfernen. Einwandfrei ist die Luft nur, wenn nicht geraucht wird. Wo das Rauchverbot schon gilt, sind Gesundheitsbelastungen durch Tabakrauch messbar bis auf Null zurückgegangen. Zum Beispiel in Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen.

GA: Viele Betreiber von Einraumkneipen fürchten um ihre Existenz. Was sagen Sie denen?

Pötschke-Langer: Ich würde an ihrer Stelle vor den Kneipen Tische aufstellen. Das funktioniert fabelhaft, in Baden-Württemberg ebenso wie in den Pubs in Irland. Erst ging der Umsatz leicht zurück, doch dann hat es sich so bewährt. Auch in einer rauchfreien Gastronomie gibt es stabile Umsätze und gesicherte Arbeitsplätze.

GA: Aber es kann doch nicht jede Eckkneipe draußen Tische aufstellen. Und wie ist das in der kalten Jahreszeit?

Pötschke-Langer: Das hat sich in Ländern mit Rauchverbot gut eingespielt, sogar im kalten Skandinavien. Wer dagegen Schlupflöcher im Gesetz lässt, so wie Spanien, riskiert unklare Verhältnisse und eine Verschärfung der Auseinandersetzung zwischen Rauchern und Nichtrauchern.

Artikel vom 28.06.2008
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