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Professor Charles Doering: "Eine Tafel, Kreide und Kaffee reichen"

Professor Charles Doering als Gastwissenschaftler an der Universität Bonn

Von Anja Meyer

Gleichungen als Sprache: Professor Charles Doering.Bonn. Mit dem Exzellenzcluster "Hausdorff Center of Mathematics" plant die Bonner Mathematik den Sprung zu einem internationalen Zentrum für Nachwuchsförderung und Experten ihrer Zunft.

Neben zahlreichen hochkarätigen Wissenschaftlern war für drei Wochen der international anerkannte Mathematiker und Physiker Professor Charles Doering von der University of Michigan (USA) in Bonn zu Gast.

General-Anzeiger: Sie sind anerkannter Experte auf dem Gebiet der Strömungsmechanik. Können Sie kurz ihre Forschung beschreiben?

Charles Doering: Ich analysiere mathematische Gleichungen, die Systeme in der Biologie, Chemie und Physik beschreiben und zuverlässige und alltagstaugliche Lösungen bringen. Ganz konkret beschäftige ich mich mit dem dynamischen Verhalten von Flüssigkeiten unter verschiedenen Bedingungen.

GA: Sie halten ihre Vortragsreihe hauptsächlich für Doktoranden. Was genau bringen Sie den Bonner Mathematikern bei?

Doering: Ich hoffe, sie dazu animieren zu können, mit ihrem Wissen an Probleme heran zu gehen. Ich bin von Haus aus Mathematiker und Physiker; die Mathematik ist die Sprache der Physik.

Der Physiker stellt Phänomene in Modellen dar, beobachtet und stellt schließlich Gleichungen auf. Der Mathematiker löst sie und holt Vorhersagen raus. Mit Gleichungen lässt sich alles beschreiben: Hat man einmal ein Problem gelöst, kann man Phänomene, die grundsätzlich verschiedener Natur sind, verstehen - beispielsweise siedendes Wasser im Kochtopf oder Magma im Erdmantel.

GA: Gibt es Unterschiede zwischen den deutschen und amerikanischen Hochschulen?

Doering: Im Großen und Ganzen kaum. Die Ausbildung der Nachwuchsmathematiker ist ähnlich. Die Mathematik ist herrlich international. Wir gehen einfach dahin, wo es Gesprächspartner zum Diskutieren gibt. Eine Tafel, Kreide und Kaffee reichen. Gleichungen - das ist die Sprache, die wir sprechen, auf der ganzen Welt.

GA: Wie sieht es mit den Studenten aus?

Doering: In meiner Vorlesung in Bonn saßen über 30 Doktoranden, etwa die Hälfte auch von anderen deutschen Universitäten, aber auch aus Brasilien, Schweden, den USA, Israel, Polen und der Türkei. Das war eine prima Mischung junger Wissenschaftler.

Die Deutschen sind nur ein wenig schüchterner und haben Angst, dumme Fragen zu stellen. Für die amerikanischen Studierenden gibt es keine dummen Fragen, nur dumme Antworten.

Die Studiengebühren sind in den USA oft sehr hoch. Amerikanische Studierende sehen sich eher als zahlende Kunden, und erwarten, dass ich Ihnen solange etwas erkläre, bis sie es verstanden haben. Ich hoffe, die deutschen Nachwuchsmathematiker schauen sich das ein bisschen bei ihren Kollegen ab. Der großartige Aufbau dieses Exzellenzclusters gibt ihnen mit Sicherheit noch viel häufiger Gelegenheiten dazu.

GA: Hat Ihr Aufenthalt an der Universität Bonn Ihre Erwartungen erfüllt?

Doering: Auf jeden Fall! Ich habe einen besonderen Bezug zu Deutschland, war auch 2005 und 2006 an den Universitäten in Bremen und Marburg und hatte die Ehre, 2003 den Humboldt-Forschungspreis verliehen zu bekommen.

Neben dem geliebten Diskutieren mit Kollegen trainieren die Studierenden auch mich: Ich muss auf verschiedene Wissensstände eingehen und oft klingen die Fragen einfach, sind aber schwer zu beantworten. So kehre ich immer wieder zu meinen Wurzeln zurück und denke darüber nach.

Zur Person

Charles Doering ist Professor für Angewandte Mathematik und mathematische Physik an der University of Michigan, USA. Der Wissenschaftler wurde bereits mit zahlreichen Forschungspreisen für seine Arbeit ausgezeichnet.

Artikel vom 12.06.2007
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