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Von Stefan Knopp
Bad Godesberg. Ausfallschritt, ein Schlag und schnell wieder zurück, um dem Gegner keine Blöße zu geben: Jens Thoma, verkleidet als Mönch mit Kriegshammer, gibt Schwertkämpfer Tobias Dreser Tipps im Umgang mit seiner Waffe.
Etwas groß für einen Zwerg: Iblis Eisenesser alias Florian Wischert aus Langenprozelten bei Würzburg tritt beim Gewandungs-Wettbewerb auf. Foto: Stefan Knopp
Immer wieder setzen die beiden auch zum Schlagabtausch an. Ein kleiner Junge mit blauem Magier-Umhang beobachtet das fasziniert. Dann zückt er ein etwa 30 Zentimeter langes Holzbeil und fragt mutig: "Darf ich auch mitmachen?"
Mitmachen durfte der Junge bei der Geschichte, die der Live-action-roleplay (Larp)-Verein Dria für die Besucher der diesjährigen Feencon am Wochenende in der Bad Godesberger Stadthalle vorbereitet hatte: Dorfbewohner finden ihren Koch versteinert im "Schattenhain". Sie müssen herausfinden, was ihm widerfahren ist und wie sie ihn retten können. Und so macht sich der Trupp kostümierter "Larper" auf die Suche nach des Rätsels Lösung quer durch den Godesberger Stadtpark.
Rollenspiel bedeutet nicht nur, die Plastikwaffen zum Duell gegeneinander zu erheben: Man entwirft eine fiktive Figur mit Charakterzügen und Fähigkeiten und versetzt sich in sie hinein. Diese Figuren leben in sehr unterschiedlichen Welten, an deren Lebensbedingungen man sich anpassen muss.
Das ist keineswegs auf mittelalterliches Ritter- und Fantasy-Ambiente beschränkt: Erstmals präsentierten sich die Endzeit-Larper der Gruppe "Caravan Dogs" auf der Feencon. Ihre Welt ist vergleichbar mit der aus den "Mad Max"-Filmen, und die Rollenspielfiguren sind durch harten Überlebenskampf militärisch geprägt.
Zur Ausrüstung gehören Schrotflinten, Kettensägen und dergleichen, wer hierbei mitmachen will, muss mindestens 18 Jahre alt sein. "Wir sind aber genauso harmlos wie die anderen auch", sagte Florian Rettich alias "Shephard". 208 Aussteller und Spielgruppen hatten sich zur 21. Feencon angekündigt.
Im Foyer der Halle wurden Bücher, Würfel und viele andere Dinge verkauft, die ein Rollenspieler so braucht, auf dem Außengelände fanden sich Zigeunerlager, Spielzelte und unter anderem auch Klaus Fislake aus Wesseling, der an einem echten Kettenhemd arbeitete. Zum Programm gehörten Lesungen, Workshops, ein Kostüm-Wettbewerb, diverse Musik- und Tanzaufführungen und am Samstagabend eine spektakuläre Feuershow.
In der Halle wurde auch Tabletop gespielt: Spielfiguren werden nach bestimmten Regeln auf Tischen bewegt. Dafür kann man Figuren selber bemalen, oder aber man bedient sich an der Spielzeugkiste der Kinder:
Auf einem großen Tisch waren Dutzende Playmobilmännchen in ägyptischer und römischer Aufmachung aufgereiht. "Wir spielen die letzte Schlacht zwischen Marcus Antonius und Cleopatra auf der einen und Marc Octavian auf der anderen Seite nach", erklärte Spielleiter Robert Gaida. "Die Figuren kommen alle so, wie sie sind, aus der Verkaufsbox, wir verändern nichts daran."
Die meisten Rollenspieler verzichten aber auf Kostüme und Figuren, für sie ist ihr Hobby Kopfsache. Die Eigenschaften ihrer Figuren stehen auf Charakterbögen, weshalb diese Form "Pen and Paper" genannt wird. Die Geschichte, die der Spielleiter vorgibt, wird im Kopf erlebt, das Verhalten der Figuren beschrieben.
In Gruppen wie der "Zunft der Lahnsteiner Rollenspieler" haben sich Gleichgesinnte zusammengeschlossen. "Wir organisieren die Nachwuchsförderung", teilte Leander Linnhoff mit, Chefredakteur des "Zunftblattes". Unter anderem veranstalte man Rittershows in Kindergärten.
Die Zunft feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Man wolle auch vom Image des Okkulten weg, das diesem Hobby gerne angehängt wird, sagte Linnhoff: "Rollenspiel ist etwa so okkult wie Briefmarken sammeln, erfordert aber sehr viel mehr Kreativität."
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