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Von Mathias Nofze
Rüngsdorf. Sonntagmittag, Viertel vor eins: Das Bootshaus des Wassersportvereins 1909/11 (WSV) liegt in schläfriger Ruhe, kein Mensch zu sehen. Nichts deutet darauf hin, dass hier hier ein Weltrekordversuch läuft. Doch der erste Eindruck täuscht.
Vor und zurück, 1 440 Minuten lang: Stefan Verhoeven(rechts) schaffte am Ende den Rekord. Christian Klandt rudert immer wieder mit und feuert seinen Kollegen an. Im Hintergrund passt Helferin Maike Dußling auf. Foto: Barbara Frommann
Eine Treppe höher, im Vereinssaal, kämpft Stefan Verhoeven am Ergometer darum, in die Annalen des Rudersports einzugehen. Sein Ziel: die 240 Kilometer zu übertreffen, die seit dem August 2001 als Weltrekord in der Schwergewichtsklasse der 20- bis 29-jährigen Männer verbucht sind.
Ein merkwürdiges Surren erfüllt den Raum. Das ist das Geräusch der Ergometer. Stefan Verhoeven, Vereinsmitglied im Clever Ruderclub, hat es jetzt seit beinah vierundzwanzig Stunden im Ohr. Ergometer, das sind Übungsgeräte, die den Rudervorgang simulieren. Man zieht mit beiden Armen ein Stahlseil, der Widerstand kann reguliert werden.
Seit Samstag 14 Uhr macht Verhoeven in seinem beweglichen Sitz ein- und dieselbe Bewegung: vor und zurück. Kollegen vom WSV, vom Bonner Ruderverein (BRV) und vom Kölner Ruderclub sitzen an anderen Ergometern. Seit Beginn des Rekordversuchs rudern sie abwechselnd mit oder muntern den 24-jährigen Verhoeven auf: "Super, wie du das machst."
Es ist wie beim Marathonlauf. "Man rudert gegen den eigenen Kopf", weiß Christian Klandt vom BRV, einer der Motivatoren. Bis ein Uhr nachts war auch Initiator Hajo Rebstein vom WSV mit im Wettbewerb, in der Klasse der 50- bis 59-jährigen. Auch er lag auf Weltrekordkurs. Dann musste er aufgeben - Nebenhöhlenvereiterung: "Das ist schon bitter."
Verhoeven hat Durst. Rebstein holt einen Trinksack, Verhoeven nimmt den Schlauch in den Mund, während er weiterrudert. Bloß kein Zeitverlust. Rund 18 Liter wird er am Ende getrunken, 18 000 Kalorien verbraucht haben.
Auch die Pausen beschränkt er auf das Nötigste: Toilettengänge, mal kurz ausstrecken, Bananen oder Kraftriegel futtern, eine kleine Massage, wenn der Rücken schmerzt. Einmal in der Nacht gab es einen Teller Nudeln, als Wachmacher kam Musik von der Stereo-Anlage. Dann die Hiobsbotschaft. 240 Kilometer Weltrekord war gestern, Rebstein hat nochmal die tatsächlich zu übertreffende Marke recherchiert.
Jetzt gilt es, 257 Kilometer, aufgestellt im Oktober in England, zu übertreffen. Verhoeven nimmt's gelassen: "Ich mache 260!". Vier Minuten vor zwei: Verhoeven liegt bei 261 Kilometern. Ein letzter Adrenalinstoß, eine letzte Kraftanstrengung - und 263 sind geschafft. Verhoeven fällt vom Ergometer, kann kaum stehen. Sein Wunsch: "Eine Dusche."
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